Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Der Videomitschnitt der Behandlungen dient der Praxisreflexion. Foto: Paolo Schubert (MLU)
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Patienten erhalten an hallescher Universität ambulante Sprachtherapie

Neue Schnittstelle zwischen Theorie und Praxis / Praxisbetrieb startet kommende Woche

Nummer 149/2007 vom 25. Juli 2007
An der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg werden künftig Menschen mit Sprachstörungen behandelt. Nach mehrjährigen Sanierungsarbeiten im Hans Ahrbeck Haus in den Franckeschen Stiftungen eröffneten Prof. Dr. Christa Schlenker-Schulte und Katrin Otto vom Institut für Rehabilitationspädagogik Anfang Juli im Beisein zahlreicher Gäste aus Wissenschaft, Forschung und Beruf das Ambulatorium Sprachtherapie. In der kommenden Woche startet nun der regelmäßige Praxisbetrieb.

Die Arbeit des Ambulatoriums basiert auf der interdisziplinären Verflechtung zwischen der Forschungsstelle zur Rehabilitation von Menschen mit kommunikativer Behinderung (Fst) und der Fachrichtung Sprachbehindertenpädagogik. Schlenker-Schulte, die neben ihrer Professur die Forschungsstelle leitet, begann mit den Planungen zum Aufbau des Ambulatoriums bereits Ende der neunziger Jahre. „Es war ein Teil meiner Berufungszusagen von 1997. Mit dem Umzug der Rehabilitationspädagogik in das neu sanierte Hans Ahrbeck Haus (Haus 31) sollten im Rahmen der Erstausstattung räumliche Möglichkeiten geschaffen werden, in denen Sprachtherapien angeboten werden können, um eine enge Theorie-Praxis-Verzahnung für Studierende zu gewährleisten. Viele Materialien wurden jedoch auch durch den Drittmittelbonus für eingelobte Forschungsmittel finanziert“, erinnert sie sich. Unterstützung erhielt die Professorin von Katrin Otto, Diplompädagogin und ebenfalls Dozentin in der Fachrichtung Sprachbehindertenpädagogik. Sie konnte bereits im Rahmen ihres Studiums an der Fakultät für Rehabilitationswissenschaften der Universität Dortmund Erfahrungen mit einem ähnlichen Modell sammeln.

Verschiedene Therapiebereiche für ambulante Behandlungen

Inspiriert von der Arbeit der Dortmunder Kollegen, wurden unter der Planung des Architekturbüros Ziegemeier Räume konzipiert und therapeutische Hilfsmittel angeschafft. Für die ambulanten Behandlungen stehen mittlerweile drei Therapiebereiche zur Verfügung. Räume und Einrichtungsgegenstände können je nach Patient und Behandlungsmethode angepasst werden. „Das ist notwendig, da Sprach-, Sprech- und Stimmstörungen über die gesamte Lebensspanne vorkommen. So soll sich sowohl das zweijährige Kind, das nicht zu sprechen beginnt, als auch die achtzigjährige Frau mit einer Aphasie und einer Halbseitenlähmung nach einem Schlaganfall hier aufgehoben fühlen. Die Raumaufteilung und -einrichtung gibt uns hierfür die notwendige Flexibilität in den Sitzungen“, erklärt Katrin Otto. Dazu zählen unter anderem adaptierbares Mobiliar, ergonomische Stühle und auf die Patienten zugeschnittene Softwarelösungen. Doch auch die Behandlungsmethoden sind individuell auf den Patienten abgestimmt. Dazu nutzt das Team, neben didaktisch-methodischem Know-how, die Erkenntnisse aus den verschiedensten wissenschaftlichen Disziplinen, beispielsweise der Linguistik, der Psychologie, der Medizin und der Soziologie. „So müssen wir beispielsweise bei Patienten, bei denen Sprachstörungen nach einem Schlaganfall aufgetreten sind, neurologische Aspekte berücksichtigen“, sagt Otto.

Praxisvermittlung und Forschung

Zu den wichtigsten Zielen des Teams zählt die Vermittlung von Praxiserfahrung an Studierende. Sie sollen in die Therapieplanung und -durchführung eingebunden werden. Wer bereits über fachliche Kompetenzen verfügt, kann unter Supervision Therapiesequenzen übernehmen oder eine vollständige Behandlungseinheit nach den Vorgaben der Dozenten und Therapeuten durchführen. Bei der Auswertung greifen die Dozenten auf die Möglichkeiten der Videografie zurück. „Pädagogen bzw. Sprachheilpädagogen lassen sich – oftmals aus Unsicherheit – ungern in die Karten schauen. Wir wollen unsere Studierenden mit der Aufzeichnung von Therapien auf Video von Anfang an daran gewöhnen, dass sie beobachtet und ihre Leistungen im Anschluss ausgewertet werden“, führt Katrin Otto aus. Diese Praxisreflexion sei notwendig, um die Fähigkeiten der angehenden Lehrer, Sprachheilpädagogen und Sprachtherapeuten kontinuierlich auszubauen. Außerdem können bearbeitete Videosequenzen hervorragend in die Vermittlung von theoretischem Wissen in der Lehre einbezogen werden. Schlenker-Schulte veröffentlichte beim IWF Wissen und Medien gGmbH Göttingen bereits vor Jahren Videodokumentationen für die Weiterbildung von Rehabilitationspersonal.

Vorteile liegen ferner im Bereich universitärer Forschung. Hier lassen sich im Rahmen von Forschungsprojekten Studierende, z.B. mit Fallanalysen einbinden. Dabei sollen Lehre, Forschung und die praktische sprachtherapeutische Arbeit mit den Patienten voneinander profitieren und der Erkenntnisgewinn die Fachdisziplin Sprachbehindertenpädagogik bereichern. „Ob das Angebot von Ärzten und Patienten angenommen wird, wird die Zukunft zeigen“, fügt Christa Schlenker-Schulte hinzu. Sicher ist für die beiden Wissenschaftlerinnen jedoch eines schon jetzt: Das Ambulatorium Sprachtherapie wird einen wichtigen Beitrag zur Optimierung der Studienbedingungen dieser Universität leisten.

 

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