Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Rektor Prof. Dr. Wulf Diepenbrock (hintere Reihe Mitte) begrüßte die Frühstudierenden und ihre Schulleiter (links Dr. Ulrich Müller vom Georg-Cantor-Gymnasium, rechts Sigrun Kuschk vom Gymnasium Latina) an der Universität. Foto: MLU, Kathrin Reichold
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Begabte Schüler als Frühstudierende an Martin-Luther-Universität

Pilotprojekt mit zwei halleschen Gymnasien gestartet

Nummer 225/2007 vom 07. November 2007
In diesem Wintersemester hat die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) ein Pilotprojekt zum Frühstudium gestartet. Leistungsstarke Schüler des Georg-Cantor-Gymnasiums Halle und des Gymnasiums Latina Halle nehmen an Lehrveranstaltungen der MLU teil und haben auch die Möglichkeit, Prüfungen abzulegen. Im kommenden Jahr soll das Angebot auf weitere Schulen ausgeweitet werden.

„Wir wollen unsere Universität noch stärker mit den Schulen vernetzen“, sagte MLU-Rektor Prof. Dr. Wulf Diepenbrock bei der Vorstellung des Projekts am heutigen Tag. „Ein erster Schritt ist dabei die intensive Förderung hochbegabter Schüler im Rahmen eines Frühstudiums.“ Die Ausgangslage sei klar, so Diepenbrock: „Für ein Universitätsstudium entscheiden sich immer noch zu wenige Abiturienten, insbesondere in den naturwissenschaftlichen Disziplinen.“

Bei den Frühstudierenden handele es sich um „handverlesene Schüler, die richtige Studienanfängerveranstaltungen besuchen und richtige Leistungsnachweise erwerben“, ergänzte Wilfried Herget, Professor für Didaktik der Mathematik, der das Projekt Frühstudium koordiniert. „Das ist kein Schnuppern, das ist Ackern. Die jungen Leute springen ins kalte Wasser und müssen schwimmen, wobei wir natürlich mit dem einen oder anderen Rettungsring bereitstehen. Wichtig ist, dass das gesamte Umfeld mitzieht, die Schule, die Lehrkräfte, und auch die Eltern.“

25 Schüler sind in diesem Wintersemester als Frühstudierende an der MLU eingeschrieben. Sie hatten die Auswahl unter mehr als 50 Lehrveranstaltungen, die ihnen für ihren Start ins Studienleben offen standen. Nun besuchen sie Vorlesungen und Seminare zu den Themen Objektorientierte Programmierung (Informatik) und Lineare Algebra (Mathematik), arbeiten sich ein in die Grundlagen der Volks- und der Betriebswirtschaftslehre, erweitern ihre Sprach- und Literaturkenntnisse in der Anglistik oder lernen in den Erziehungswissenschaften den aktuellen Forschungsstand zu „Autorität und Schule“ kennen. Erfolgreich bestandene Prüfungen werden in einem späteren Studium anerkannt. Die Schulen stellen ihre Schüler für den Besuch der Lehrveranstaltungen vom Unterricht frei. Den verpassten Unterrichtsstoff müssen die Schüler selbständig nachholen.

„Für unsere besonders befähigten Schüler ist das Frühstudium eine große Chance“, sagte Dr. Ulrich Müller, Schulleiter des Georg-Cantor-Gymnasiums Halle. „Unser Schwerpunkt ist der naturwissenschaftlich-mathematische Bereich, und gerade hier haben wir eine beachtliche Anzahl sehr begabter Schüler.“ Acht Schüler hat die Schule für die erste Runde des Frühstudiums ausgewählt. „Sie haben nun eine Mehrbelastung, aber sie werden das schaffen.“

Sigrun Kuschk, stellv. Schulleiterin des Gymnasiums Latina Halle, erklärte: „Es gibt genügend Schüler, die etwas über den Schulstoff hinaus lernen wollen und können, die den nötigen Biss haben. Ihre Zielvorstellungen für die Studien- und Berufswahl sind bereits sehr konkret. Im Frühstudium können sie diese Zielvorstellungen nun überprüfen.“

Genau diese Möglichkeit ist für viele Frühstudierende eine große Motivation, aber beileibe nicht die einzige, wie die folgenden Schülerstimmen zeigen.

Jan Scheller (18 Jahre alt), Gymnasium Latina „Ich möchte Lehrer werden und habe mich daher bei den Erziehungswissenschaften eingeschrieben. Das Seminar ‚Autorität und Schule’ hat direkt etwas mit dem Lehrerberuf zu tun, sodass ich hoffentlich feststellen kann, ob das wirklich das Richtige für mich ist.“

Babette Bode (17), Gymnasium Latina „Hier kann ich gut in die Informatik reinschnuppern. Und Kenntnisse in diesem Bereich sind bei meinem bevorzugten Arbeitgeber, der Lufthansa, sehr gefragt. Natürlich ist es erst einmal ein komisches Gefühl, als Schülerin zwischen den Studenten zu sitzen, aber fachlich komme ich gut mit und möchte auf jeden Fall einen Leistungsnachweis erwerben.“

Thomas Brezina (17), Gymnasium Latina „Chemie ist schon lange das Fach, das mich am meisten interessiert, daher möchte ich es auch studieren, am liebsten in Halle. Für mich ist es kein Test, eher eine Weiterbildung, eine Erweiterung der Grundlagen. Bis jetzt macht es richtig Spaß.“

Anne Martin (17), Gymnasium Latina „Mein Anglistik-Seminar ist sehr gut. Dort ist höchste Konzentration gefordert, es wird grundsätzlich Englisch gesprochen, und zwar schneller und mit mehr Fachbegriffen als in der Schule. Sprachlich bringt mir das Seminar also auf jeden Fall etwas – und es zeigt mir, ob Anglistik das richtige Studienfach für mich wäre.“

Stefanie Leuthold (18), Georg-Cantor-Gymnasium „Da ich auf jeden Fall etwas mit Informatik machen möchte, freue ich mich, an der Uni in die Objektorientierte Programmierung einsteigen zu können. Zum Teil haben wir den Stoff bereits im Unterricht gehabt, sodass ich gut reingekommen bin. Gut ist auch, dass man schon eine Prüfung ablegen kann, dann hat man später schon mal eine weniger.“

Lucas Tittmann (18), Georg-Cantor-Gymnasium „Der Wirtschaftsbereich interessiert mich sehr, aber noch bin ich mir nicht darüber im Klaren, was ich studieren soll. Viele Freunde haben gesagt: BWL, das ist doch etwas Staubiges. Also versuche ich mal herauszufinden, worauf ich mich mit diesem Studium einlassen würde.“

Felix Fechner (17), Georg-Cantor-Gymnasium „Ich möchte Mathe studieren, weiß aber noch nicht, mit welchem Anwendungsfach dazu. Daher mache ich jetzt an der Uni Experimentalphysik. Der erste Eindruck ist sehr gut. Der Professor hat sogar angeboten, dass ich das erforderliche Praktikum am Schuljahresende nachholen kann. Dadurch wird dieses Frühstudium ein echter Startvorteil.“

Paul Kramer (17), Georg-Cantor-Gymnasium „Früh an die Uni zu gehen, ist eine gute Sache. Ich möchte später Computermathematik studieren, habe mich daher jetzt für Lineare Algebra entschieden. Das wird hier tiefgründiger behandelt als in der Schule, es ist viel Neues dabei, aber ich verstehe bis jetzt alles.“

 

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