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Exilforschung mit Hilfe informatischer Methoden

Nummer 027/2013 vom 08. Februar 2013
Den Brief als netzwerkbildendes Medium untersucht das Verbundprojekt „Vernetzte Korrespondenzen“ unter Beteiligung des Deutschen Literaturarchivs Marbach und des Instituts für Informatik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU). Seit dem 1. Februar 2013 läuft dieses durch das Trier Center for Digital Humanities koordinierte Forschungsprojekt, das durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bis Januar 2016 mit einem Gesamtvolumen von rund 900.000 Euro unterstützt wird.

„Social Media sind Erscheinungen des 21. Jahrhunderts“, sagen die Antragsteller. „Soziale Netzwerke aber wurden schon in früheren Zeiten - deutlich vor Facebook und Twitter - durch Briefwechsel gewoben.“ Zwar stünden zwischenzeitlich zahlreiche Briefwechsel digital zur Verfügung, doch seien diese Editionen zumeist unter dem Gesichtspunkt zur Ressourcenbereitstellung entstanden. „Damit tragen sie den dem Medium Brief eigenen vernetzenden Funktionen allenfalls in Ansätzen Rechnung“, so die Antragsteller.

Als Grundlage dient die Materialbasis ausgewählter Korrespondenznetze deutschsprachiger Schriftsteller, die durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten ins Exil gezwungen wurden. Darauf aufbauend konzipieren und realisieren die Wissenschaftler eine modulare interaktive internetbasierte Plattform zur Erschließung, Erforschung und Visualisierung von sozialen, räumlichen, zeitlichen und thematischen Netzen in Briefkorpora.

Durch die Anwendung und Weiterentwicklung innovativer Methoden und Verfahren der semantischen Netzwerkanalyse und -visualisierung sollen Forschungsfragestellungen angegangen werden, die weit über die Betrachtung einzelner Briefwechsel hinausgehen.

Damit leistet das Vorhaben einen Beitrag zur Entwicklung von informationstechnologischen Methoden und Werkzeugen, die speziell auf geisteswissenschaftliche Arbeitsweisen und Fragestellungen ausgerichtet sind. Es eröffnet nicht nur der Brief- und Kommunikationsforschung neue Möglichkeiten. Vielmehr schließt das Vorhaben zugleich eine Lücke im Bereich der Exilforschung, denn eine Untersuchung zur Funktion von Briefnetzen exilierter Schriftsteller der NS-Zeit steht bislang noch aus.

Ziel des am halleschen Institut für Informatik von Prof. Dr. Paul Molitor und Dr. Jörg Ritter geleiteten Teilprojekts „Interaktives Portal zur Erforschung von Korrespondenznetzwerken“ ist die Modellierung von Briefen und Briefnetzen einschließlich der thematischen Erklärungen, um eine effektive Analyse von Korrespondenznetzen zu ermöglichen. Die Beantwortung geisteswissenschaftlicher Fragestellungen soll dabei durch entsprechende Visualisierungsmöglichkeiten unterstützt werden. Auf dieses Teilprojekt entfallen von der gesamten BMBF-Fördersumme rund 340.000 Euro.

Weitere Details zu dem Projekt: http://www.informatik.uni-halle.de/NELi

 

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