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Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert deutsch-japanisches Graduiertenkolleg

Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg kooperiert mit Universität Tokio

Nummer 103/2007 vom 05. Juni 2007
Gemeinsam mit der Universität Tokio richtet die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg zum kommenden Wintersemester ein interdisziplinäres Graduiertenkolleg ein. Sowohl die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) als auch die Japanische Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften unterstützen das Projekt zum Thema „Formenwandel der Bürgergesellschaft. Japan und Deutschland im Vergleich“. Im geisteswissenschaftlichen Bereich handelt es sich um ein Pilotprojekt der deutsch-japanischen Zusammenarbeit.

„DFG-Fördergelder für solche Programme sind bekanntermaßen sehr begehrt, umso mehr freuen wir uns über die Zusage aus Bonn“, sagt die Japanologin Prof. Dr. Gesine Foljanty-Jost, die das Projekt auf hallescher Seite zusammen mit dem Historiker Prof. Dr. Manfred Hettling koordiniert. „Wir realisieren somit das erste Graduiertenkolleg im geisteswissenschaftlichen Bereich, das die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Japan ins Zentrum stellt.“

Auf deutscher Seite hat die DFG zehn Promotionsstipendien, eine Postdoktorandenstelle und umfangreiche Sachmittel bewilligt, insgesamt handelt es sich um ein Fördervolumen von rund 1,4 Millionen Euro. Die Förderung auf der japanischen Seite übernimmt das DFG-Pendant, die Japan Society for the Promotion of Sciences. Das Graduiertenkolleg startet am 1. Oktober 2007, die Laufzeit beträgt zunächst viereinhalb Jahre.

An der Martin-Luther-Universität sind die Fächer Gechichte, Japanologie, Politikwissenschaften und Theologie am Projekt beteiligt. Das Kolleg geht der Leitfrage nach, wie sich unterschiedliche bzw. analoge Strukturen und Handlungsmuster von Bürgergesellschaft in Deutschland und Japan heraus­gebildet haben. „In beiden Gesellschaften erlebt die Bürgergesellschaft einen Aufschwung, es gibt viele vergleichbare Entwicklungen“, konstatiert Gesine Foljanty-Jost. Natürlich gebe es kulturell geprägte Unterschiede, die für die Forschung besonders interessant seien: „In Deutschland gehört zu gesellschaftspolitischem Engagement immer auch eine kritische Auseinandersetzung mit dem Staat, wie man derzeit im Zusammenhang mit dem G8-Gipfel in Heiligendamm wieder sehen kann. Dieses kritische Element gibt es in Japan deutlich weniger. Ein großer Teil des zivilgesellschaftlichen Engagements erfolgt dort nur lokal begrenzt und richtet sich auf die Unterstützung oder Ergänzung staatlicher Leistungen.“ Prof. Dr. Manfred Hettling verweist auf die historische Dimension der Bürgergesellschaft: „Uns kommt es auch darauf an, die Grundformen zu untersuchen und die Verschiebungen, die in den vergangenen beiden Jahrhunderten stattgefunden haben.“

Das Studienprogramm des Graduiertenkollegs sieht unter anderem binationale Workshops und Akademien in Tokio und Halle vor. Den Anfang macht ein Symposium an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg Anfang Oktober 2007. Die deutschen Promotionsstipendien werden demnächst ausgeschrieben. „Wir streben an, sehr gute Nachwuchsforscher aus Deutschland und weiteren europäischen Ländern für das Graduiertenkolleg zu gewinnen“, erklärt Gesine Foljanty-Jost.

 

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