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Gesellschaftliches Engagement von Unternehmen selten strategisch ausgerichtet

Studie von Soziologen der Universitäten Halle-Wittenberg und Paderborn vorgelegt

Nummer 235/2007 vom 20. November 2007
Freiwilliges Unternehmensengagement in Deutschland ist in erster Linie traditionsorientiert und selten strategisch und auf Gewinnmaximierung ausgerichtet. Zwischen kleinen und mittleren Unternehmen auf der einen und Großunternehmen auf der anderen Seite zeichnen beim gesellschaftlichen Engagement deutliche Unterschiede ab: Die Großen greifen verstärkt internationale Impulse auf, die Kleinen pflegen bewährte Traditionen. Zu diesem Ergebnis kommen die Soziologen Holger-Backhaus-Maul von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und Prof. Dr. Dr. Sebastian Braun von der Universität Paderborn in ihrer aktuellen Analyse.

Die Wissenschaftler haben die Daten aus einer empirischen Befragung von 501 Unternehmen in Deutschland mit einem Jahresumsatz von mindestens einer Million Euro und mindestens zehn Mitarbeitern ausgewertet. Sie untersuchen im Rahmen eines Forschungsverbundes das gesellschaftliches Engagement von Unternehmen und stellen dabei fest: In Deutschland ansässige Firmen nehmen mit ihrem gesellschaftlichen Engagement eher eine gesellschaftspolitisch enthaltsame Position ein, engagieren sich vorrangig für konsensuale Themen und beschränken sich überwiegend auf die Bereitstellung von Geld- und Sachspenden vor Ort.

Gesellschaftsbezogene Aktivitäten sind den Ergebnissen der Untersuchung zufolge selten in übergeordnete Konzeptionen und Strategien der Unternehmen eingebettet und erfolgen überwiegend spontan und unkoordiniert. „Das Engagement der Großunternehmen hebt sich allerdings vom Gesamtbefund ab: Sie begreifen, auch aufgrund der internationalen Debatte, gesellschaftliches Engagement deutlich häufiger als Voraussetzung für wirtschaftliche Erfolge. Sie gehen aktiv auf Partner aus dem gesellschaftlichen Umfeld zu und evaluieren ihre Aktivitäten auch deutlich häufiger", sagen Holger Backhaus-Maul und Sebastian Braun.

Ausgewählte Befunde der Analyse:

  • 96% der befragten Unternehmen sind gesellschaftlich engagiert.
  • Vorherrschend sind Geldspenden (83,4%) und Sachspenden (59,7%).
  • Fast drei Viertel der befragten Unternehmen engagieren sich in ihrem unmittelbaren lokalen Umfeld, 14,5% national und 13,6% international.
  • Die Bereiche „Sport" und „Freizeit" stellen für die Unternehmen die interessantesten Handlungsfelder dar; mit deutlichem Abstand folgen die Bereiche „Erziehung und Bildung", „Kommune und Gemeinwesen" und „Soziales".
  • Etwa 60% der Unternehmen gehen für ihr gesellschaftliches Engagement Kooperationen ein, und zwar mit lokalen freiwilligen Vereinigungen (70%), Bildungseinrichtungen (43,7%), Wohlfahrtsverbänden (37,8%) und Kommunalverwaltungen (35,6%).
  • Die eigene Wettbewerbssituation wollen 24,1% der Unternehmen mit ihrem gesellschaftlichen Engagement verbessern.
  • Nur 3,8% der befragten Unternehmen bündeln ihre Aktivitäten in einer Stiftung.
„Fasst man die Befunde zusammen, dann erhält man ein Bild des gesellschaftlichen Engagements von Unternehmen in Deutschland, demzufolge dieses Engagement als ein selbstverständlicher Bestandteil unternehmerischer Aktivitäten in der lokalen Zivilgesellschaft der Betriebsstandorte beschrieben werden kann und sich dabei vorrangig durch die Bereitstellung materieller Unternehmensressourcen zugunsten von sport- und freizeitorientierten Projekten des lokalen Vereinswesens auszeichnet", so Holger Backhaus-Maul und Sebastian Braun über die Ergebnisse ihrer Analyse.


Dabei wird deutlich, dass sich das freiwillige gesellschaftliche Engagement von Unternehmen in Deutschland im Spannungsfeld zwischen Philanthropie und wirtschaftlicher Verwertung entwickelt und angesichts der Internationalität des Themas und der Beteiligung namhafter deutscher Großunternehmen derzeit besondere Dynamik erfährt - wobei die Tradition der sozialen Marktwirtschaft und die faktische Bedeutung von Klein- und Mittelunternehmen ein hohes Maß an schöpferischem Eigensinn erzeugen und auch zukünftig erwarten lassen.

Veröffentlicht ist die Analyse in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Stiftung & Sponsoring" (5/2007). Die Untersuchung wurde in Kooperation zwischen dem Forschungszentrum für Bürgerschaftliches Engagement der Universität Paderborn, FORSA - Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analyse mbH und dem Centrum für Corporate Citizenship Deutschland (CCCD) e.V. durchgeführt und von der Deutschen BP AG gefördert.

Die Arbeit der beiden Autoren erfolgt im Forschungsverbund „Gesellschaftliches Engagement von Unternehmen", der im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bis Ende 2008 eine Sekundäranalyse des gesellschaftlichen Engagements von Unternehmen in Deutschland vorlegen wird.

Die Analyse zum Herunterladen im Internet:
http://wcms-neu1.urz.uni-halle.de/download.php?down=3039&elem=1140787

 

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