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Vertrauen in Medizin: Ethnologen erforschen die Folgen der Ebola-Epidemien in Afrika

Nummer 086/2016 vom 12. Juli 2016
Das Vertrauen der Bevölkerung in die Medizin nach dem Ebola-Ausbruch in Westafrika steht im Zentrum eines gemeinsamen Forschungsprojekts von Ethnologen der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und der Universität Bayreuth. Das Projekt soll auch dabei helfen, künftig bessere Kommunikationsstrategien für vertrauensbildende Maßnahmen zu entwickeln. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Projekt über drei Jahre mit insgesamt 650.000 Euro. Davon gehen 350.000 Euro an die MLU.

Die Ebola-Epidemie in den westafrikanischen Ländern Sierra Leone, Liberia und Guinea ist der bisher längste und gravierendste Ausbruch dieser Krankheit: Von März 2014 bis August 2015 sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) über 28.000 Menschen durch den Virus erkrankt, 11.200 Menschen an Ebola gestorben. Die Epidemie wurde Anfang 2016 für beendet erklärt, dennoch gibt es immer wieder Verdachtsfälle auf Neuerkrankungen. "Dass sich Ebola so schnell ausbreiten und so lange bestehen konnte, kann nicht allein durch die medizinischen Eigenschaften des Virus erklärt werden", sagt Dr. Sung Joon Park vom Seminar für Ethnologie der MLU, der gemeinsam mit Prof. Dr. Ulrike Beisel von der Universität Bayreuth das Forschungsprojekt leitet. "Auch das fehlende Vertrauen der Bevölkerung in die Wirksamkeit der Schulmedizin gilt als ein wichtiger Grund dafür."

Dieses fehlende Vertrauen sei aber, so Park, kein Indiz für die weite Verbreitung von Aberglauben, Hexerei und traditioneller Medizin, wie in den westlichen Medien häufig angenommen wurde. Vielmehr müsse die Gesundheitsversorgung in den Ländern berücksichtigt werden, die als Folge von Bürgerkriegen, neoliberalen Strukturanpassungsmaßnahmen und neuen armutsbedingten Krankheiten wie HIV/AIDS in einem maroden Zustand war, als das Virus ausbrach. Die Bevölkerung sei zu Beginn der Epidemie auch nicht ausreichend über das Virus informiert gewesen. "Die Epidemie erreichte ihren Höhepunkt, als lokale Gesundheitssysteme die große Zahl der Patienten nicht ausreichend, teilweise gar nicht behandeln konnten", so Park weiter. Das habe das Vertrauen der Bevölkerung in die Gesundheitssysteme der drei Länder erschüttert. Eine der ersten wissenschaftlichen Erkenntnisse ist, dass das Misstrauen der Bevölkerung in Medizin die Ausbreitung des Virus beschleunigt hat. Die Menschen vor Ort hätten die Behandlungsmaßnahmen nicht verstanden und aufgrund ihrer schlechten Erfahrungen abgelehnt. Gleichwohl sei allgemein noch zu wenig über das Verhältnis von Vertrauen und Medizin in armen Ländern bekannt.

Die Ethnologen wollen in ihrem Projekt deshalb erforschen, wie sich Vertrauen in Medizin bildet bzw. wie es verspielt werden kann. Dazu reisen sie für mehrere Monate in die betroffenen Länder und sprechen mit Patienten, freiwilligen Helfern und dem medizinischen Personal vor Ort. Letzteres spielt eine besondere Rolle. "Auch sie haben während der Epidemie mitunter das Vertrauen in ihre eigene Arbeit und Patienten verloren. Dabei spielen Krankenpfleger und Ärzte bei der Bildung von Vertrauen eine zentrale Rolle, da sie im direkten Kontakt zu den Patienten stehen, anders als Beamte nationaler Behörden und Akteure der internationalen Gesundheitspolitik", sagt Park.

Die DFG fördert das Forschungsprojekt im Rahmen der sogenannten "Afrika-Initiative", die die Zusammenarbeit von afrikanischen und deutschen Wissenschaftlern auf dem Gebiet der Infektiologie nachhaltig stärken soll.

 

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