Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Prof. Dr. Georg Theunissen
Dekan der Philosophischen Fakultät III
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Oliver Daffy
Vorsitzender von IDEAL e. V., Student der Erziehungswissenschaften/Rehabilitationspädagogik
Telefon: 0178 3089127


Stefan Göthling
Geschäftsführer des Vereins Mensch zuerst – Netzwerk People First Deutschland e.V. (ein Verein von und für Menschen mit Lernschwierigkeiten); kennt sich gut mit dem „persönlichen Budget“ aus
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Menschen mit Behinderung als Experten in eigener Sache

Fachtagung „Empowerment und Inklusion“ am 19./20. April in Halle

Nummer 56/2007 vom 12. April 2007
Die Behindertenarbeit befindet sich in einem Umbruch: Ging es bisher um Normalisierung und Integration, so ist nunmehr von Empowerment und Inklusion die Rede. Was bedeuten diese Begriffe? Handelt es sich nur um visionäre Schlagworte oder um realistische Perspektiven für die Praxis der Behindertenhilfe? Antworten auf diese Fragen soll die Fachtagung „Empowerment und Inklusion“ geben, die am 19./20. April in den Franckeschen Stiftungen in Halle stattfindet. Veranstaltet wird sie vom halleschen Verein IDEAL und dem Institut für Rehabilitationspädagogik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU).

„Mit dieser Tagung widmen wir uns den aktuell zentralen Leitprinzipien der Behindertenarbeit, gerade im internationalen Bereich“, sagt Georg Theunissen, an der MLU Professor für Geistigbehindertenpädagogik. „Empowerment“ werde meist mit „Selbstbefähigung“ übersetzt, bei der „Inklusion“ gehe es um die Anerkennung von Menschen mit Behinderung als Bürger der Gesellschaft – die es demnach nicht erst zu integrieren gilt. „Die Defizit-Perspektive hat ausgedient, die Stimme der Betroffenen soll gestärkt werden“, bringt Theunissen die Thematik auf den Punkt. „Auch in der Gesetzgebung steht daher heutzutage die Teilhabe im Vordergrund, ein Paradebeispiel dafür ist das stark diskutierte Anti-Diskriminierungsgesetz, das im vergangenen Jahr in Kraft getreten ist.“

Wie sich der Perspektivwechsel in der Praxis niederschlagen kann, darüber wollen Experten und in der Behindertenarbeit Tätige bei der Fachtagung in zwölf Arbeitskreisen diskutieren. Themen wie Schule und Berufsbildung stehen dabei ebenso auf der Tagesordnung wie Wohnen, Freizeitgestaltung und das selbstbestimmte Leben im Alter. Auch die Sexualität spielt eine Rolle: „Behinderte Sexualität – verhinderte Normalität?“ lautet die Fragestellung eines der Arbeitskreise. „Betroffene kommen dabei überall zu Wort, zum Teil leiten sie die Arbeitskreise. Damit wird ihre Rolle als Experten in eigener Sache gestärkt“, erklärt Oliver Daffy, Vorsitzender von IDEAL e.V. – Integration durch ein aktives Leben.

Einen Erfahrungsbericht wird es bei der Tagung auch über das „persönliche Budget“ geben. Mit diesem Budget erhalten Menschen mit Behinderung anstatt einer Sach- eine Geldleistung. „Somit können sie selbst entscheiden, welcher Dienstleister die Hilfe erbringen soll. Sie können sich die Hilfe auf dem freien Markt einkaufen. Das ist echtes ‚Empowerment’“, sagt Professor Georg Theunissen. Ab 1.1.2008 erhalten hilfsbedürftige Menschen einen Rechtsanspruch auf ein solches „persönliches Budget“.

Der hallesche Verein IDEAL entstand 2004 aus einer Initiative Studierender. Sein Anliegen ist es, Barrieren zwischen Menschen mit und ohne Behinderung abzubauen. IDEAL bietet beispielsweise Freizeitassistenz an. Dabei sollen vorhandene Freizeitangebote auch für Menschen mit Behinderung geöffnet werden, um so ihre Möglichkeiten zu erweitern, ihre soziale Integration zu fördern und einen Beitrag zum Abbau von Ängsten und Vorurteilen zu leisten. Die Freizeitassistenten von IDEAL begleiten die Menschen mit Behinderung dann zu solchen Angeboten.


Weitere Informationen zur Tagung im Internet:
http://www.empowerment-und-inklusion.de

„Freizeitassistenz“ (Quelle: IDEAL e.V.): Nils Möritz und die ehrenamtliche Freizeitassistentin Anne Völker verbringen gemeinsam ihre Freizeit.
„Freizeitassistenz“ (Quelle: IDEAL e.V.): Nils Möritz und die ehrenamtliche Freizeitassistentin Anne Völker verbringen gemeinsam ihre Freizeit.
 

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