Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Eine von Thripsen befallene Pflanze
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Auf die Größe kommt es an: Biologen der Uni Halle erforschen Partnerwahl bei Thripsen

Nummer 127/2017 vom 08. November 2017
Je größer das Männchen, desto höher die Chance auf eine erfolgreiche Paarung – das gilt zumindest für Thripse, nur zwei bis drei Millimeter große Insekten, die mit bloßem Auge kaum zu erkennen sind. Die größeren Männchen können nicht nur ihre kleinen Konkurrenten verdrängen, sondern haben beispielsweise auch ein besseres Immunsystem und produzieren mehr Spermien. Das haben Biologen der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) herausgefunden. Ihre Studie erschien kürzlich im internationalen Fachjournal "Journal of Insect Behaviour".

"Größere Männchen haben einen höheren Fortpflanzungserfolg als ihre kleineren Konkurrenten", sagt Dr. Stephanie Krüger, Erstautorin der Studie. Die Wissenschaftlerin arbeitet bei dem halleschen Biologen Prof. Dr. Gerald Moritz, der seit vielen Jahren zu Thripsen forscht. Konkret hat Krüger eine 1,3 Millimeter große Thripsart mit dem Namen Echinothrips americanus untersucht. Dabei handelt es sich um ein Schadinsekt, das Ende des 20. Jahrhunderts aus den USA nach Europa gelangte und sich auch in Deutschlands Gewächshäusern breit macht. Unterschätzen sollte man die zu den Fransenflüglern zählenden Tierchen nicht: Deren Fraßschäden in der Landwirtschaft und im Gartenbau gehen in die Millionenhöhe.

Gründe für den höheren Reproduktionserfolg körperlich größerer Männchen gibt es mehrere: "Zum einen verdrängen starke Männchen kleinere Konkurrenten, zum anderen sind sie aufgrund ihrer Größe auch eher in der Lage, die Weibchen für die Begattung zu besteigen", so Krüger. Hinzu komme, dass Weibchen vieler Insektenarten größere Männchen bevorzugen, weil sie sich von ihnen eine höhere Überlebenswahrscheinlichkeit der Eier und des Nachwuchses versprechen würden. Zudem produzieren die Tiere mehr Sekrete, die dem Weibchen als Nährstoff bei der Produktion der Eier zur Verfügung stehen. Auch die Fruchtbarkeit der Männchen profitiert von der Körpergröße: Sie produzieren mehr Spermien.

Über die Reproduktionsbiologie der Thripse war bislang nur wenig wissenschaftlich bekannt. Widerlegen konnten die halleschen Biologen zum Beispiel die verbreitete Hypothese, dass sogenannte Sternaldrüsen einen Einfluss auf den Paarungserfolg haben. Wofür diese Sternaldrüsen auf der Bauchseite aber tatsächlich eingesetzt werden, bleibt weiter unklar. Eine Idee hat die hallesche Biologin bereits: Sie will in ihrer weiteren Forschung herausfinden, ob die Thrips-Männchen die Puppen bewachen, um geschlüpfte weibliche Tieren als erste begatten zu können. "Wir vermuten, dass die Männchen das Territorium, das sie bewachen, markieren", sagt Krüger. Haben sie eine größere Porenplatte und damit mehr Sternaldrüsen, könnten sie sich durch die Abgrenzung ihres Reviers gegenüber den anderen Männchen einen Vorteil verschaffen. Analysieren will sie außerdem, ob sich die Weibchen aktiv die Geschlechtspartner aussuchen, oder ob die größeren Männchen aufgrund ihrer höheren Aggression erfolgreich eine Kopulationspartnerin finden.

Der an der MLU von Prof. Dr. Gerald Moritz geleitete Forschungsbereich Entwicklungsbiologie beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Thripsen, deren Ordnung weltweit mehr als 6.100 Arten umfasst. Diese Mikroinsekten sorgen mit ihren stechend-saugenden Mundwerkzeugen für großen Unmut in der Landwirtschaft. Sie befallen Schnittblumen und schädigen Obst und Gemüse, indem sie Pflanzenzellen anbohren, Zellsaft aussaugen und so zum Beispiel bei Erdbeeren in den USA, aber auch in Deutschland erhebliche Ernteeinbußen verursachen. Zudem übertragen einige Arten bedeutsame Pflanzenviren. Und auch in Wohnzimmern hierzulande verärgern sie Pflanzenliebhaber: An Zimmerpflanzen wie Gummibaum oder Palmen entstehen durch die Saugtätigkeit der Thripse optisch lästige, silbrig-graue Verfärbungen.

Zur Publikation:
Krueger, S., Jilge, M., Mound, L., G. Moritz J Insect Behav (2017) 30: 409. doi: 10.1007/s10905-017-9627-z

 

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