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Arzneimittelforschung: Neues Graduiertenprogramm an der Schnittstelle von Pharmazie und Mathematik

MLU Universität Halle-Wittenberg und FU Berlin kooperieren mit sechs namhaften Pharma-Unternehmen

Nummer 068/2008 vom 26. März 2008
An der Martin-Luther-Universität (MLU) Halle-Wittenberg und der Freien Universität (FU) Berlin startet am 31. März 2008 ein deutschlandweit bisher einmaliges Projekt: Die Hochschulen bieten ein strukturiertes Ausbildungs- und Forschungsprogramm für Doktoranden auf dem Gebiet der Pharmakometrie an, einem sich rasch entwickelnden Zweig der Biowissenschaften. Mit pharmazeutischen und mathematischen Methoden wird die Wirkung von Medikamenten mit dem Ziel erforscht, die Therapiesicherheit für Patienten zu erhöhen. Sechs namhafte Pharmaunternehmen unterstützen als Partner das Graduiertenprogramm, um zusammen mit den beiden Hochschulen dieses neue Forschungsfeld in Deutschland zu etablieren. In einem ersten Schritt stellen sie mehr als 600.000 Euro für Stipendien zur Verfügung.

Das neue Programm trägt den englischen Titel „Pharmacometrics & Computational Disease Modelling". „Die Pharmakometrie und die Modellierung von Krankheitsverläufen gewinnen international stark an Bedeutung", erklären die beiden Sprecher des Programms, Prof. Dr. Charlotte Kloft (Klinische Pharmazie/MLU Halle-Wittenberg) und Dr. Wilhelm Huisinga (Computational Physiology/Hamilton Institute, Maynooth; MATHEON/FU Berlin). Die Bündelung des Wissens und die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft ist für sie ein nahe liegender Schritt. „Es geht darum, die Entwicklung von Medikamenten und von Therapien erfolgreicher zu gestalten." Darüber hinaus sei es das erklärte Ziel der Sprecher, das Forschungsfeld in Deutschlands akademischer Landschaft überhaupt erst zu etablieren.

„Wir wollen den Krankheitsverlauf besser verstehen und die Behandlung individueller gestalten, ihr ein Gesicht geben", sagt Charlotte Kloft. Durch neuartige Ansätze in der Datenauswertung und -modellierung sollen maßgeschneiderte Therapien entwickelt werden. „Die Mathematik kann dabei einen wesentlichen Beitrag leisten", erklärt Wilhelm Huisinga, der sich vor einigen Jahren im Rahmen des Forschungszentrums MATHEON der Deutschen Forschungsgemeinschaft als einer der ersten Mathematiker auf die Pharmakometrie spezialisiert hat. „Derzeit gibt es oft nur empirische Modelle für die Datenauswertung. Wir müssen zu genaueren Modellen kommen, um die Prozesse im Körper besser zu verstehen, beispielsweise um fundiertere Vorhersagen für die ersten Studien mit Patienten machen zu können."

Das Doktorandenprogramm startet am 31. März 2008 mit dem ersten Modul und fünf Teilnehmern in Halle. Es richtet sich an Absolventen der Naturwissenschaften, der Mathematik und der Medizin. Innerhalb von drei Jahren erhalten die Teilnehmer eine strukturierte Ausbildung, insbesondere in den Bereichen, in denen sie bis dahin nicht genügend Kenntnisse erwerben konnten, als Pharmazeuten beispielsweise in den mathematisch-statistischen Methoden. Daneben forschen die Doktoranden an eigenen Projekten.

Die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und die Freie Universität Berlin konnten sechs Industrie-Partner für eine weitreichende Kooperation gewinnen: Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG, Abbott GmbH & Co. KG, Bayer Schering Pharma AG, Bayer Technology Services GmbH, Merck KGaA und Sanofi-Aventis Deutschland GmbH. In der ersten Projektphase stellen die Firmen für Stipendien insgesamt 600.000 Euro bereit, bringen weiteres Know-how und Praktikamöglichkeiten ein. Für die kommenden Jahre haben sie eine weitere finanzielle Förderung zugesagt.

Einzelne Programm-Module absolvieren die Doktoranden direkt in den Laboren der Unternehmen. Im erweiterten Lenkungsgremium des Programms sitzen zwei Industrievertreter. „Wir schätzen die Unternehmen als Partner, die selbst ein großes Interesse an der Weiterentwicklung des Forschungsgebietes haben", erläutert Prof. Dr. Charlotte Kloft.

Das kann Dr. Hans-Günter Schäfer von Boehringer Ingelheim, einer der Mitinitiatoren des neuen Projektes, bestätigen. „Wir setzen auf eine nachhaltige Nachwuchsförderung", sagt der Leiter der Klinischen Pharmakokinetik und -dynamik. „Die Unternehmen brauchen Wissenschaftler, die etwas von Pharmazie und von Mathematik verstehen. Zugleich kommt es uns darauf an, diese neue Disziplin stärker an den Universitäten zu etablieren. Ziel ist es, in Deutschland eine kritische Masse zu schaffen und die Expertise in diesem Forschungsfeld auch hier zu sichern." Die modellbasierte Arzneimittelentwicklung berge ein immenses Potenzial in sich und Absolventen des neuen Programms eröffneten sich hervorragende Karrierechancen.

In diesem Graduiertenprogramm der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der Freien Universität Berlin werden jährlich maximal zwölf Doktoranden aufgenommen. Bewerber müssen neben einem guten Hochschulabschluss profunde Kenntnisse in einer der Disziplinen Klinische Pharmazie, Systembiologie oder mathematische Modellierung nachweisen. Eine Auswahlkommission entscheidet über die Zulassung zum Programm. Die Teilnehmer sollen exzellente Nachwuchsforscher sein, die ein exzellentes Angebot zu nutzen wissen. „Und am Ende ihrer Ausbildung", sagt Dr. Huisinga, „werden sie sich wohl wundern, warum die betreffenden Forschungsgebiete bisher getrennt behandelt wurden."

 

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