Zehn „Prime-Gymnasien“: Hallesche Universität vernetzt sich mit Schulen
Die neue Kooperationsform ruht auf drei Säulen. Erstens: Die Schüler der Gymnasien werden frühzeitig mit universitären Arbeitsweisen vertraut gemacht. Zweitens: Besonders begabte Schüler können im Rahmen eines Frühstudiums Lehrveranstaltungen an der Universität besuchen. Ihre Leistungsnachweise werden in einem späteren Studium anerkannt. Drittens: Die MLU vermittelt besonders geeignete Lehramtstudierende für deren Praktika an die „Prime-Gymnasien".
„Schule und Universität müssen sich stärker vernetzen als bisher", erklärt MLU-Rektor Wulf Diepenbrock, der den Anstoß zu dem Projekt „Prime-Gymnasium" gegeben hat. „In den vergangenen Jahren wurde zunehmend deutlich, dass sich zu wenige Abiturienten für ein Universitätsstudium entscheiden. Insbesondere in den technisch-naturwissenschaftlichen Disziplinen herrscht ein besorgniserregender Mangel an qualifizierten Studienbewerbern. Wir bereiten nun Schüler auf den Hochschulalltag vor und fördern die besonders Begabten unter ihnen. Damit stärken wir sicher ihre Motivation für ein Studium."
Lehramtsstudierende der MLU absolvieren währenddessen Praktika in den „Prime-Gymnasien", die aufgrund entsprechender Schwerpunktsetzungen am besten für sie in Frage kommen. „Sie stärken die Schulpraxis und können selbst frühzeitig erkennen, ob sie wirklich Lehrer werden wollen", führt Wulf Diepenbrock aus. „Es handelt sich um ein zusätzliches Engagement von Universität und Schulen, ohne dass zusätzliche Ressourcen beansprucht werden."
Ein Pilotprojekt zum Frühstudium für handverlesene Schüler lief ein Jahr lang mit Beteiligung des Georg-Cantor-Gymnasiums Halle und des Gymnasiums Latina Halle. Es war zuvor mit dem Kultusministerium des Landes abgestimmt worden. „Bei allen Beteiligten, ob Schüler, Lehrer oder Universitätsprofessoren, fiel das Fazit positiv aus", berichtet Rektor Diepenbrock. Nunmehr zählen beide Gymnasien zu jenen zehn Schulen, mit denen das Projekt „Prime-Gymnasien" startet.
Aber auch außerhalb Halles findet das Projekt großen Anklang. „Wenn unsere Schüler sich frühzeitig orientieren können und die besonders begabten unter ihnen die Möglichkeit haben, ihre spätere Studienzeit zu verkürzen und intellektuell ausgelastet zu sein, dann ist das eine hervorragende Sache", erklärt Burkhard Schmitt, Leiter der CJD Christophorusschule in Droyßig im südlichen Sachsen-Anhalt. „Wir kooperieren daher herzlich gern mit der halleschen Universität." Mit den Wirtschaftswissenschaften der MLU gebe es im Übrigen bereits seit vier Jahren eine gut funktionierende Zusammenarbeit.
„Auch wir pflegen bereits enge Kontakte mit Hochschulen und mit der Wirtschaft im Rahmen unserer Profilbildung als Europagymnasium", sagt Dr. Eckhard Appenrodt, Schulleiter des Walther-Rathenau-Gymnasiums in Bitterfeld. „Mit der Martin-Luther-Universität streben wir eine besonders enge Zusammenarbeit an." Ein zusätzliches Bindeglied könne das Unternehmen Q-Cells sein, mit dem das Gymnasium eng verbunden sei und das an der MLU eine Stiftungsprofessur einrichtet. „Mir liegt daran, diese Universität für unsere Schüler attraktiv zu machen. Die Leistungsträger sollen schließlich möglichst in der Region studieren. Und die Lehramtsstudenten aus Halle sind mit ihren Impulsen eine Bereicherung für mich und meine Kollegen."
Die „Prime-Gymnasien":
- CJD Christophorusschule, Droyßig
- Elisabeth-Gymnasium, Halle
- Georg-Cantor-Gymnasium, Halle
- Geschwister-Scholl-Gymnasium, Sangerhausen
- Giebichenstein-Gymnasium „Thomas Müntzer", Halle
- Gymnasium Landsberg
- Johann-Gottfried-Herder-Gymnasium, Merseburg
- Latina August Hermann Francke, Halle
- Sportgymnasium Halle
- Walther-Rathenau-Gymnasium, Bitterfeld