Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Die Professorin für Musikethnologie Dr. Gretel Schwörer-​Kohl mit einem Didgeridoo.
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Hallesche Musikethnologin erforscht Gesänge der Aborigines

Nummer 197/2009 vom 17. August 2009
Lieder und Sprachmelodien nordaustralischer Aborigines stehen im Fokus eines Projekts australischer und deutscher Wissenschaftler. Die Professorin für Musikethnologie Dr. Gretel Schwörer-Kohl vom Musikwissenschaftlichen Institut der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) wandelt dabei die Melodien in Notenschrift um. Das Projekt ist eines von 14 von der VolkswagenStiftung geförderten Vorhaben zur Dokumentation bedrohter Sprachen.

An dem Projekt über die „Sprachen der Cobourg Region in Nordaustralien" sind Ethnologen, Musikethnologen und Linguisten der Australischen Nationaluniversität in Canberra, der Universitäten Sydney und Melbourne sowie der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, der Universität München und der MLU beteiligt. Die Professorin der MLU, Gretel Schwörer-Kohl, ist durch Linda Barwick, Professorin an der Universität in Sydney, dazu gekommen.

„Linda Barwick wird demnächst in die Coburg Region reisen und einige Monate mit den Aborigines leben. Dabei nimmt sie vor allem deren Lieder, Rituale und sonstige Feste auf. So eine Feldforschung ist ziemlich anstrengend, denn man lebt unter sehr einfachen Verhältnissen und muss sich trotzdem ständig auf die eigene Arbeit konzentrieren. Meine ersten Feldforschungen habe ich 1974 in Süd- und Südostasien durchgeführt und dort auch mehrere Jahre gelebt", sagt Gretel Schwörer-Kohl, die Musikwissenschaft, Ethnologie und ostasiatische Kunstgeschichte an den Universitäten in Freiburg, Köln und Hamburg studierte und 1980 an der Universität in Köln mit einer Dissertation über "Die Mundorgel bei den Lahu in Nordthailand" promovierte. 1998 habilitierte sie mit einer Arbeit über "Zur Zeremonialmusik für die Nat-Geister Myanmars/Birmas", und seit 1999 ist sie Professorin für Musikethnologie an der MLU.

Die Arbeit der halleschen Wissenschaftlerin beginnt, wenn die Texte der Lieder durch die Linguisten Dr. Robert Mailhammer von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt sowie Professor Dr. Dietmar Zaefferer von der Universität München übersetzt worden sind. „Ich wandle dann die Melodien in unsere Notenschrift um. Dabei muss ich mich sehr konzentrieren und arbeite überwiegend in den Morgenstunden, wenn mein Gehör noch voll aufnahmefähig ist. Ich muss die auf- und absteigenden Töne Intervallen zuordnen, die den Originalmelodien so nahe wie irgend möglich kommen", erklärt die Musikwissenschaftlerin ihre Arbeit innerhalb des Projekts. „Anhand der erstellten Notenschriften kann ich untersuchen, ob es eventuelle Melodienverwandtschaften gibt, beispielsweise zwischen den verschiedenen Ethnien der Aborigines in Australien und Einwohnern Papua-Neuguineas."

Die digitalisierten Aufnahmen der Aborigines, die Übersetzungen der Texte, die erstellten Notenblätter und die daraus erhaltenen Forschungsergebnisse werden nach Abschluss des Projekts im Archiv für bedrohte Sprachen im Max-Planck-Institut für Psycholinguistik Nijmegen (Niederlande) archiviert und damit als kulturelles Erbe der Menschheit aufbewahrt. Gleichzeitig steht das Archiv für weitere Sprach- und Melodienforschungen weltweit offen.

Weitere Informationen dazu unter: www.mpi.nl/DOBES

VolkswagenStiftung: Initiative zur Dokumentation bedrohter Sprachen

Zwei Drittel der weltweit rund 6500 Sprachen sind vom Aussterben bedroht. Die Gründe für das Verschwinden der sprachlichen Vielfalt sind zahlreich und unterschiedlich. Häufig sind veränderte geographische oder gesellschaftliche Bedingungen dafür verantwortlich oder auch die schwindende Zahl derer, die die oft nur mündlich überlieferte Sprache überhaupt noch sprechen und an Kinder und Enkel weitergeben können. Aber nicht nur die Sprachen verschwinden. „Mit Ritualen, Erzählungen, Liedern und Tänzen geht auch ein Stück des kulturellen Gedächtnisses der Menschheit verloren", warnt die Musikethnologin Gretel Schwörer-Kohl.

Seit 1999 sorgt die VolkswagenStiftung durch die Initiative „Dokumentation bedrohter Sprachen" dafür, dass die Zeugnisse derartiger Sprachkulturen vor ihrem spurlosen Verschwinden bewahrt werden. Dabei arbeiten Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen und Länder an gemeinsamen Projekten und versuchen beispielsweise, die sprachliche Vielfalt linguistisch umfassend zu dokumentieren, die Rituale und rituellen Texte zu erfassen, Erzählungen und Geschichten, Lieder und Musik in Ton und Bild aufzuzeichnen oder auch repräsentative Texte zu dokumentieren.

Weitere Informationen dazu unter:
www.volkswagenstiftung.de/foerderung/auslandsorientiert/bedrohte-sprachen.html

 

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