Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Instrumente können bei Sprachproblemen helfen.
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Kinder mit Sprachstörungen behandeln: Hallesche Pädagogen eröffnen Forschungsbereich Musiktherapie

Nummer 152/2018 vom 29. Oktober 2018
Ein neuer Forschungsbereich zur Musiktherapie bei Kindern wird am Montag, 5. November, an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) eröffnet. Ziel ist es, mit Hilfe von Musik, Instrumentalspiel und Gesang die sprachliche Entwicklung von Kindern mit Sprach- und Kommunikationsstörungen zu verbessern. Dafür stehen den Forscherinnen und Forschern moderne Räume mit vielen Instrumenten und moderner Videotechnik zur Verfügung. Die Erkenntnisse der Arbeit sollen nicht nur für die Therapie und Forschung eingesetzt werden, sondern auch für die Ausbildung von Studierenden.

Nicht allen Kleinkindern fällt es gleichermaßen leicht, neue Wörter und das Formulieren von einfachen Sätzen zu lernen. Bis zu einem gewissen Grad sind diese Unterschiede normal. Im Zentrum der Arbeiten des neuen Forschungsbereichs an der MLU stehen sogenannte Late-Talker. Dabei handelt es sich um Kinder, die im Alter von zwei Jahren noch keine einfachen Sätze bilden können, die aus mehreren Wörtern bestehen und die über einen sehr begrenzten Wortschatz von weniger als 50 Begriffen verfügen. "Typisch entwickelte Kinder produzieren in diesem Alter schon Sätze mit mehreren Wörtern. Nur etwa ein Drittel der Kinder, die im Alter von zwei Jahren so deutlich im Vergleich zur Altersnorm zurück sind, holen diesen Rückstand spontan wieder auf", sagt der Sprachheilpädagoge Prof. Dr. Stephan Sallat von der MLU, der den Forschungsbereich Musiktherapie leitet. Hinzukommen können noch weitere Probleme in der Sprachverarbeitung, etwa bei der Aussprache oder beim Hörverstehen.

Die Musiktherapie ist eine relativ junge Disziplin und ein neuer Zugang mit vielfältigen Möglichkeiten für die Behandlung und Prävention bei Sprach- und Kommunikationsstörungen. Mit Hilfe verschiedener Spiele und Übungen mit Instrumenten und der Stimme sollen die Störungen der Kinder adressiert und therapiert werden. "Wir wollen untersuchen, ob diese musiktherapeutischen Methoden bei den Kindern dazu führen können, dass sie bis zum dritten Lebensjahr den Rückstand aufholen und sich dann sprachlich typisch entwickeln", erklärt Sallat. Ein zweiter Schwerpunkt der Musiktherapie an der MLU liegt auf Kindern mit selektivem Mutismus, die zwar über keine physiologischen Defekte bei ihren Sprech- und Hörorganen verfügen, aber dennoch in bestimmten Situationen - zum Beispiel gegenüber einzelnen Personen oder in den Räumen der Kita oder Schule - schweigen.

Zudem sind die Räume der Musiktherapie und des Ambulatoriums Sprachtherapie mit einem neuen Videolaborsystem ausgestattet, mit denen die Therapiesitzungen aufgezeichnet werden. Diese können dann anschließend für die Therapiedokumentation, zur Auswertung mit den Eltern oder für die Forschung verwendet werden. "Das Videosystem werden wir auch in der Ausbildung von Studierenden einsetzen, um zum Beispiel Diagnostik- und Therapieübungen sowie schulpraktische Übungen von angehenden Lehrerinnen und Lehrern auszuwerten", ergänzt Sallat.

Zu Beginn der Eröffnung des Forschungsbereiches am kommenden Montag hält Stephan Sallat ein Grußwort. Prof. Dr. Christine Plahl von der Katholischen Stiftungshochschule München spricht danach in ihrem Vortrag zu dem Thema "Kommunikation mit Musik - Videomikroanalyse in der Kindermusiktherapie". Plahl zählt zu den führenden Expertinnen der Kindermusiktherapie. Im Anschluss an die Eröffnung findet eine Führung durch die neu eingerichteten Räume statt.

 

Eröffnung des Forschungsbereichs Musiktherapie:
Montag, 5. November, 18 Uhr
Franckesche Stiftungen, Haus 31, Hörsaal
Franckeplatz 1
06110 Halle (Saale)

 

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