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Geschichte in 280 Zeichen: Historiker twittern die Novemberrevolution in Halle

Nummer 154/2018 vom 01. November 2018
Die Novemberrevolution 1918/19 in Deutschland besiegelte den Untergang des Deutschen Reichs und den Übergang zur Weimarer Republik. Was viele heute nicht wissen: Auch Halle gehörte zu den Zentren der Revolution. Über den Kurznachrichtendienst Twitter wollen Studierende der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) diese bewegte Zeit nacherzählen. Ab dem 7. November twittert die Gruppe um Historiker Prof. Dr. Patrick Wagner täglich über das politische und alltägliche Leben in der revolutionären Saalestadt von damals. Am Dienstag, 27. November, findet im Literaturhaus Halle zudem eine Lesung statt, für die Wagner zusammen mit einer weiteren Seminargruppe das Skript lieferte.

Das Twitterprojekt beginnt am 7. November - genau 100 Jahre zuvor begann die Novemberrevolution 1918 in Halle. "Wir werden jeden Tag darüber berichten, was in Halle vor exakt 100 Jahren passiert ist", sagt Patrick Wagner. Dazu gehören zum Beispiel täglich die historischen Schlagzeilen aus der Lokalpresse, Informationen zum Verlauf der Revolution, aber auch Zeitungsannoncen und Archivstücke aus dem Alltag Halles. Hierfür arbeiten die Studierenden eng mit dem halleschen Stadtmuseum und dem Stadtarchiv zusammen. Die Aktion läuft bis zum 26. März 2019, bis zu dem Datum, an dem vor 100 Jahren das letzte Opfer der revolutionären Kämpfe in Halle beerdigt wurde.

Der Alltag der Menschen war damals von Leid geprägt: In Europa grassierte die Spanische Grippe, an der Millionen Menschen starben. Die Bevölkerung in Deutschland litt in Folge des Ersten Weltkriegs, der erst im Juni 1919 mit dem Versailler Frieden offiziell endete, an einer Hungersnot. "Gleichzeitig entwickelte sich mit dem Ende der Kampfhandlungen im November 1918 das Bedürfnis, das Leben zu genießen. Deshalb gab es eine Inflation an Tanz- und Vergnügungsveranstaltungen", so Wagner.

In Halle dominierte damals der linke Flügel der Arbeiterbewegung: Die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD) erreichte bei der Wahl zur Nationalversammlung über 40 Prozent. "Die Vertreter dieser Bewegung wollten nach dem Ende des Weltkriegs mehr Revolution, zum Beispiel eine Sozialisierung der Industrie und eine Demokratisierung des Militärs", erklärt Wagner. Für diese Ziele rief die hallesche USPD im Februar 1919 zum Generalstreik auf. "Der Streik dauerte zwei Wochen und wurde letztlich durch das Militär beendet, wobei 26 Menschen starben. Infolgedessen wurde der linke Teil der Arbeiterbewegung entmachtet", fasst Wagner zusammen.

Neben der Twitter-Aktion hat Patrick Wagner gemeinsam mit einer Gruppe von Studierenden auch die Grundlage für eine szenische Lesung über die Novemberrevolution in Halle geliefert. Diese findet am Dienstag, 27. November, um 19 Uhr im Literaturhaus Halle in der Bernburger Straße 8 statt. Unter dem Titel "Geplatzte Träume? - Szenen aus dem revolutionären Halle 1918" präsentieren fünf Schauspielerinnen und Schauspieler des neuen theaters aus Halle das Stück, für das die Studierenden die historische Grundlage lieferten. Es erzählt parallel, wie verschiedene Personen - ein hallescher Notar, ein 13-jähriges Mädchen und Revolutionsführer Otto Kilian - die Zeit erlebt haben.

"Halle hat für die Novemberrevolution eine große Bedeutung - bisher verkaufen wir dieses äußerst interessante und dramatische Kapitel der Stadtgeschichte unter Wert", sagt Wagner, der das Twitterprojekt gemeinsam mit dem Zentrum für Multimediales Lehren und Lernen (LLZ) der MLU durchführt. Mit den beiden modernen Formaten der Wissenschaftskommunikation möchte der Forscher ein breites Interesse für die damalige Zeit wecken.

 

Zum Projekt "Halle 1918/19"
7. November 2018 bis 26. März 2019
Tägliche Informationen unter https://twitter.com/Halle191819

 

Szenische Lesung: "Geplatzte Träume? - Szenen aus dem revolutionären Halle 1918"
Dienstag, 27. November, 19 Uhr
Literaturhaus Halle
Bernburger Straße 8
06108 Halle (Saale)

 

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