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Sprachgeschichte: Wörterbuch über die Mundarten Sachsen-Anhalts online

Nummer 164/2018 vom 14. November 2018
Vom Kanten bis zum Knaggel: Allein für das Endstück des Brotes gab es zwischen Altmark und Anhalt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts acht verschiedene Begriffe. Nachzulesen ist das im Mittelelbischen Wörterbuch. In diesem Langzeitprojekt erfassen Germanisten der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU), wie die Menschen zu dieser Zeit im Norden Sachsen-Anhalts gesprochen haben. Jetzt ist das Dialektwörterbuch auch online zugänglich. Das Projekt wurde von der Abteilung Altgermanistik des Germanistischen Instituts in Zusammenarbeit mit dem Institut für Informatik an der MLU umgesetzt.

Das Mittelelbische Wörterbuch beschreibt den Mundartwortschatz der nördlichen und mittleren Regionen Sachsen-Anhalts. Es enthält nicht nur Angaben zur Bedeutung, Lautung und regionalen Verbreitung der Wörter, sondern auch zu deren Sprachverwendung in Form von Beispielsätzen, Sprichwörtern und regional gewachsenen Volksweisheiten. Bei der Erarbeitung beziehen sich die Wissenschaftler auf Sprachmaterial, das zwischen 1936 und 1958 mithilfe von Fragebögen erhoben wurde, sowie auf historische Quellen, Veröffentlichungen und private Mundartsammlungen. "Mundarten gehen im Verlauf der Zeit weitgehend verloren. Das Wörterbuch ist insofern auch ein Stück Volks- und Landeskunde", sagt der Altgermanist Prof. Dr. Hans-Joachim Solms, der die Arbeitsstelle Mittelelbisches Wörterbuch am Germanistischen Institut der Universität Halle leitet. "Man erfährt viel über die Kultur, die die Menschen in der Mitte des 20. Jahrhunderts in ihrem Zusammenleben herausgebildet haben. Für die Geschichte von Sachsen-Anhalt ist es von unschätzbar hohem Wert."

Die Geschichte des Dialektwörterbuchs reicht weit zurück: 1935 wurde das Projekt von Dr. Karl Bischoff in Magdeburg begonnen. Nachdem er 1951 als Professor für Deutsche Philologie an die Martin-Luther-Universität berufen wurde, gelangten die Arbeiten zum Wörterbuch nach Halle. 1958 verließ Bischoff die DDR und ging nach Mainz, wo er fortan lehrte. Nach der Wende 1992 wurde die Arbeit am Wörterbuch fortgesetzt. Die ersten zwei Bände wurden gemeinsam mit dem Landesheimatbund Sachsen-Anhalt und der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig herausgegeben. Sie dokumentieren den Wortschatz anhand der Anfangsbuchstaben A-G und H-O. "Das Besondere an diesem Dialektwörterbuch im Vergleich zu denen anderer Regionen ist, dass der zu erfassende Sprachraum in das Niederdeutsche und das Mitteldeutsche geteilt ist. Deshalb lassen sich sprachliche Übergangsgebiete von Norden nach Süden anhand vieler Wörter gut erkennen", sagt Solms.

Unter mew.uzi.uni-halle.de ist das Wörterbuch jetzt auch online zugänglich. Die digitale Version wurde in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Paul Molitor und Dr. Jörg Ritter vom Institut für Informatik aufgebaut. Sie bietet eine Vielzahl an Suchfunktionen, die den Zugriff auf das Material nach unterschiedlichen Fragestellungen ermöglicht. "Das Wörterbuch ist hilfreich für alle, die sich mit Mundarten, der Geschichte des Sprachraumes, aber auch mit der deutschsprachigen Dialektologie im Allgemeinen beschäftigen. Die Seite ist ein Arbeitsinstrument, das weltweit genutzt werden kann, und ein Vorzeigeprojekt aus der Zusammenarbeit mit dem Institut für Informatik", sagt Solms. Der dritte und letzte Band (P-Z) des Wörterbuchs, das maßgeblich von Dr. Ulrich Wenner bearbeitet wird, wird nach Veröffentlichung ebenfalls digital zur Verfügung gestellt.

Das Mittelelbische Wörterbuch wurde als Akademievorhaben durch die Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung sowie durch das Land Sachsen-Anhalt gefördert. Mehr Informationen unter: https://www.germanistik.uni-halle.de/altgermanistik/forschungsschwerpunkte/mittelelbisches_woerterbuch/

 

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