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Neues EU-Projekt an der Uni Halle: Was passiert, wenn ein internationaler Konzern insolvent ist?

Nummer 014/2019 vom 23. Januar 2019
Spätestens seit der weltweiten Finanzkrise 2008 sind Insolvenzverfahren auch bei internationalen Unternehmen keine Seltenheit mehr. Sind Konzerne nicht nur in einem Land tätig, müssen Insolvenzverfahren in mehreren Ländern angemeldet werden. Das war zum Beispiel bei der Bank Lehman Brothers oder auch bei Schlecker und Air Berlin der Fall. Wie sich diese Verfahren besser koordinieren lassen, untersuchen Juristen der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) in einem internationalen Forschungsprojekt, das von der Europäischen Union für zwei Jahre gefördert wird.

Als die US-amerikanische Investmentbank Lehman Brothers in Folge der weltweiten Finanzkrise 2008 Insolvenz anmelden musste, setzte das eine Kette von Insolvenzverfahren in Gang: "Innerhalb eines Tages gab es mehr als 20 Insolvenzverwalter weltweit, die für Lehman Brothers zuständig waren", sagt der Jurist Prof. Dr. Stephan Madaus von der MLU. Schließlich war die Bank in zahlreichen Ländern aktiv und hatte dort Tochtergesellschaften gegründet. Deshalb musste für jedes Sub-Unternehmen ein eigenes Insolvenzverfahren eingeleitet werden, das nach den jeweils nationalen Gesetzen abläuft. "Die Insolvenzverwalter übernehmen dafür übergangsweise die Rolle des Unternehmensleiters. Sie geben Auskunft gegenüber den Gläubigern und entscheiden am Ende, ob ein Unternehmen gerettet oder stillgelegt wird", erklärt Madaus. Allerdings können die Verwalter nicht isoliert voneinander arbeiten und entscheiden, weil sie auf Zuarbeiten aus anderen Ländern angewiesen sind.

Der Jurist Madaus erforscht in einem Projektverbund mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Italien und Spanien nun, wie sich diese internationalen Insolvenzverfahren besser koordinieren lassen. Geleitet wird das Projekt von der Universität La Sapienza in Rom. Ziel ist es, zunächst einen Überblick über bisherige internationale Insolvenzverfahren zu gewinnen. Hierfür analysieren die Forscherinnen und Forscher öffentlich einsehbare Akten sowie Daten zu Insolvenzverfahren internationaler Konzerne und führen Interviews mit Vertreterinnen und Vertretern mehrerer Konzerne und Unternehmensgruppen aus verschiedenen Ländern.

Auf der Grundlage dieser Analysen entwickelt das Team anschließend einen Leitfaden, wie sich internationale Konzerninsolvenzen besser planen und durchführen lassen. "Mit Hilfe unserer Anleitungen soll es möglich sein, diese äußerst kleinteiligen und komplexen Verfahren zu einem koordinierten Vorgehen mit einem kohärenten Informationsfluss zusammenzuführen", fasst Madaus zusammen. Das Projekt wird mit insgesamt 615.000 Euro gefördert. Davon fließen 169.000 Euro an die MLU.

 

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