Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Huckepack zum Laichgewässer: ein wanderndes Erdkrötenpaar auf einer Straße
Foto: Institut für Zoologie der MLU
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Amphibienwanderung - Biologiestudenten schützen die Artenvielfalt

Nummer 042/2013 vom 08. März 2013
Im März vertauschen wieder einige Biologiestudenten der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) ihre Hörsaalplätze mit der feuchtkalten Saaleaue und kontrollieren die Wanderungen der Grasfrösche, Teichmolche und Erdkröten im Bereich der Talstraße/Kreuzer Teiche. Zum symbolischen Start der Arbeiten am Montag, 11. März 2013, sind Medienvertreter herzlich eingeladen. Ob die Kröten da schon wandern, kann in diesem Jahr bei einem eher „schleppenden“ Frühlingsanfang nicht sicher vorausgesagt werden.

Im Rahmen eines feldherpetologischen Fachpraktikums in Regie des Fachschaftsrats Biologie und mit Unterstützung des langjährigen Initiators und Leiters der Aktion, Hochschullehrer i. R. PD Dr. Wolf-Rüdiger Große vom Institut für Biologie/Bereich Zoologie und Gastwissenschaftler des Zentralmagazins für Naturwissenschaftliche Sammlungen der MLU, werden seit Jahren Daten zur Amphibienwanderung im Stadtgebiet erhoben. Untersucht wird die Wirkung der Talstraße als Barriere, die Amphibienpopulationen und ihre Lebensräume nahezu vollständig voneinander isoliert. Daneben forschen die Studierenden nach weiteren Ursachen der Veränderungen der Populationen im urbanen Raum. Die längerfristigen Wetterveränderungen spielen dabei eine vordergründige Rolle. Erstaunlich ist schon, dass die Kröten in den vergangenen zehn Jahren immer größer werden.

„Die Praktikums-Untersuchungen der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass die Amphibien im Frühjahr aus der Saaleaue über die Talstraße in die Kreuzer Teiche zum Laichen wandern“, berichtet Wolf-Rüdiger Große. „Ein Teil der Erdkröten und Grasfrösche durchschwimmt die Wilde Saale ab der Peißnitz-Halbinsel und landet trotz der Strömung sicher am Talstraßenufer.“ Zwischenzeitlich hat sich die Krötenpopulation auch in die Brandvorwerk-Region des Sportkomplexes ausgebreitet. Über Schutzzäune und zwischengeschobene Fangeimer werden die anwandernden Amphibien an einem stationären Zaun in der Talstraße, Höhe Kreuzer Teiche, und an der Brandvorwerkstraße abgefangen.

In diesem Jahr werden wieder wassertechnische Daten der Laichgewässer erhoben. Die Studierenden bergen nicht nur die Amphibien und tragen sie sicher über die Straße. Die Tiere werden auch biometrisch erfasst. Die Messdaten geben später detaillierte Auskunft zu Wanderungen, Alter und Kondition der Tiere.

Hintergrund des Praktikums ist das drohende Aussterben der Amphibien. „Die Schätzungen aktueller Aussterberaten für Amphibien weisen weltweit auf den dramatischen Rückgang der Diversität und damit auf eine kritische Situation der Biosphäre hin“, erklärt Wolf-Rüdiger Große. In der von der World Conservation Union (IUCN) 2010 veröffentlichten Roten Liste der gefährdeten Tierarten seien über die Hälfte aller Amphibienarten weltweit vom Aussterben bedroht.

Weitere Informationen:
„Gerade Lurche besitzen sehr komplexe Habitatansprüche, ihr Jahreslebensraum zerfällt dabei in mehrere Aktionszentren“, weiß der hallesche Zoologe. Sie suchen für eine unterschiedlich lange Zeit Gewässer auf, um hier zu reproduzieren und die Larvalentwicklung zu vollziehen. Dabei besitzen einige Arten eine bemerkenswerte Ortstreue. Die Sommer- und Winterlebensräume befinden sich dagegen in der Regel an Land. Zwischen den ein­zelnen Standorten finden oft ausgeprägte saisonale Wanderungen statt, dabei sind die Wanderstrecken art- und standortabhängig. Die Lebensraumansprüche der meisten Arten werden vor allem im urbanen Be­reich in immer stärkerem Maße beschnitten, so dass die Lurche zu den gefährdet­sten Tiergruppen überhaupt gehören. „Nicht zuletzt wegen der hohen Sensitivität dieser Tiere gegenüber anthropogenen Einflüssen sind ver­schiedene naturschutzfachliche und raumwirksame Planungen unverzichtbar“, so Große.

„Verkehrsopfer unter den Amphibien waren seit 1998 in der Talstraße kaum mehr zu verzeichnen, was den Aufwand des Krötenzauns jederzeit rechtfertigt. Trotzdem ist er nicht das Rezept für die Zukunft, da der Zaun nicht über Jahrzehnte betreut werden kann. Sinnvoll wäre es, über dauerhafte bauliche Maßnahmen für die wandernden Amphibien Durchlässe zu schaffen.“ Denkbar sei auch, über weitere Gewässerneuanlagen und Habitatmanagement die Raumbeziehungen der Amphibienpopulation schrittweise zu verändern. Zum ersteren Vorschlag existiere bereits eine Konzeptstudie des Naturschutzbundes Halle. „Zum zweiten Konzept laufen derzeit an der Martin-Luther-Universität ökologische Vorplanungen für eine Pilotstudie zur Gewässerökologie auf der Feuchtwiese und im Amselgrund.“

(Foto-)Kontakttermin:
Die Arbeiten werden im Rahmen der symbolischen Eröffnung des Schutzzaunes an der Talstraße (Höhe Weg zu den Kreuzer Teichen) am Montag, 11. März 2013, um 10 Uhr mit einer Einweisung vorgestellt. Vertreter der Medien sind herzlich willkommen.
Ort: Talstraße, Höhe Amselgrundweg zu den Kreuzer Teichen

 

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