Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Japanologin Gesine Foljanty-Jost wird mit hohem japanischen Orden geehrt

Nummer 201/2013 vom 11. November 2013
Die japanische Regierung hat am Tag der Kultur, 3. November, Prof. Dr. Gesine Foljanty-Jost den Orden der Aufgehenden Sonne fĂŒr ihre Verdienste zur Förderung der deutsch-japanischen Beziehungen zuerkannt. Sie wĂŒrdigt damit das mehr als 30-jĂ€hrige Engagement der Japanologin und Prorektorin fĂŒr Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs an der Martin-Luther-UniversitĂ€t Halle-Wittenberg (MLU) - insbesondere ihren hohen Einsatz fĂŒr die wissenschaftlichen Beziehungen zwischen beiden LĂ€ndern. Die hohe Auszeichnung wird ihr 2014 in der Berliner Botschaft Japans im Rahmen eines Festakts ĂŒberreicht werden.
Prof. Dr. Foljanty-Jost studierte Japanologie, Soziologie und Politische Wissenschaft an den UniversitĂ€ten Bonn, Tokio und Berlin (FU) und spezialisierte sich mit dieser FĂ€cherkombination in Forschung und Lehre auf Fragen der gegenwĂ€rtigen japanischen Politik und Gesellschaft. Ihr aktueller Forschungsschwerpunkt liegt im Bereich „Zivilgesellschaft und Formen politischer Beteiligung in Japan“. Seit 1992 ist sie Professorin fĂŒr Japanologie an der MLU und hat dort erstmals an einer UniversitĂ€t in den neuen BundeslĂ€ndern nach 1989 das Fach neu gegrĂŒndet. Seit 2010 ist sie auch Prorektorin fĂŒr Forschung, wissenschaftlichen Nachwuchs und Internationales an der MLU.

Im Rahmen des Aufbaus der Lehre und Forschung im Bereich der Japanologie an der UniversitĂ€t Halle hat Gesine Foljanty-Jost Partnerschaften mit sechs japanischen SpitzenuniversitĂ€ten initiiert, fĂŒr die Studierenden macht sie diese Partnerschaften mit UnterstĂŒtzung des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) und des japanischen Bildungsministeriums durch die Organisation regelmĂ€ĂŸiger Studierendenaustausche und durch deutsch-japanische Sommerschulen nutzbar.

DarĂŒber hinaus fĂŒhrte sie Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler aus beiden LĂ€ndern an gemeinsame Themen heran, wie anlĂ€sslich des Auftaktkongresses zum „Deutschlandjahr in Japan“, den sie 2005 mit UnterstĂŒtzung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und des DAAD 2005 zum Thema „Ökologie und Nachhaltige Entwicklung“ in Tokio organisierte. Mehrere Sommerschulen zum Thema VergangenheitsbewĂ€ltigung und Erinnerungspolitik mit Historikern an den UniversitĂ€ten Halle und Tokio (TĂŽdai) mĂŒndeten 2007 in die Einrichtung des ersten deutsch-japanischen Graduiertenkollegs in den Geisteswissenschaften, das von der Japan Society for the Promotion of Science (JSPS) und der DFG bis 2016 gefördert wird und unter dem Rahmenthema „Formwandel der BĂŒrgergesellschaft - Japan und Deutschland im Vergleich“ jĂ€hrlich jeweils zehn Doktoranden und Doktorandinnen an beiden UniversitĂ€ten qualifiziert.

Im Bereich der Forschung fĂŒhrten Gastprofessuren an den PartneruniversitĂ€ten zu langjĂ€hrigen Forschungskooperationen, so mit Prof. Shunsuke Murakami (Senshu UniversitĂ€t) zum Thema „Sozialkapital in Ostasien“, mit Prof. Yutaka Tsujinaka (Tsukuba UniversitĂ€t) zum Thema „Civil Society, the State and Culture in Comparative Perspective“ und mit Prof. Minoru Tsubogo (Waseda UniversitĂ€t) zum Thema „lokale Zivilgesellschaft“.

Wissenschaftspolitisch setzt sich Gesine Foljanty-Jost seit mehr als 30 Jahren fĂŒr die deutsche Japan-Forschung und die Vernetzung japanischer und deutscher Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen ein. 1988 gehörte sie zu der Gruppe von Hochschullehrern, die die Vereinigung fĂŒr sozialwissenschaftliche Japanforschung (VSJF) grĂŒndete, die als interdisziplinĂ€res Forum bis heute Sozialwissenschaftler und Japanwissenschaftler zusammenfĂŒhrt. Dem Vorstand der deutschen Gesellschaft fĂŒr Asienkunde e. V., gehörte sie ebenso wie dem Vorstand der Gesellschaft fĂŒr Japan-Forschung an. 2009 richtete sie den Japanologentag in Halle aus, die bedeutendste Fachkonferenz der Japanforschung im deutschsprachigen Raum.

Prof. Dr. Foljanty-Jost ist seit 2008 Mitglied des Stiftungsrats des Japanisch-Deutschen-Zentrums Berlin und im Deutsch-Japanischen Forum. Sie wurde 2008 zum Mitglied und 2012 zur Vorsitzenden des wissenschaftlichen Beirats des Deutschen Instituts fĂŒr Japanforschung, Tokio in der Max-Weber-Stiftung gewĂ€hlt.

Auf der regionalen Ebene hat Gesine Foljanty-Jost die GrĂŒndung der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Halle-Saalkreis mitgetragen und als Mitglied des Vorstands mit aufgebaut. Die Gesellschaft ehrte sie 2010 mit der Ernennung zur EhrenprĂ€sidentin.

Zu ihren bedeutendsten wissenschaftlichen Publikationen zĂ€hlen u. a. „Kommunale Umweltpolitik in Japan“ (1977), „Ökonomie und Ökologie in Japan“ (1995), „Kontrollieren, korrigieren, kommunizieren - GewaltprĂ€vention an japanischen Mittelschulen“ (2003 mit Manuel Metzler, Anne Metzler und Annette Erbe) und jĂŒngst „Der BĂŒrger als Partner - Kooperative Demokratie in japanischen Kommunen“ (2013 mit Karoline Haufe und Mai Aoki).
 

Zum Seitenanfang