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Neue DFG-Forschungsgruppe zu RNA und Krebs

Nummer 161/2022 vom 09. Dezember 2022
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert mit sieben Millionen Euro eine neue Forschungsgruppe an der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU). Im Zentrum der Forschung stehen spezielle RNA-Moleküle und Proteine, die wahrscheinlich an der Bildung von Tumoren beteiligt sind. Ziel ist es, die zugrundeliegenden Mechanismen zu verstehen und so neue Behandlungsansätze zu entwickeln.

Um von der verschlüsselten Erbinformation zum Genprodukt zu kommen, wird die DNA zunächst in Moleküle übersetzt, die dieser sehr ähnlich sind - die RNAs. Werden die als 'kodierte Baupläne' in den Proteinfabriken der Zellen ausgelesen, spricht man von Genexpression. Neben kodierenden RNAs gibt es allerdings auch eine Vielzahl nicht-kodierender RNAs und RNA-bindender Proteine, die den Prozess regulieren. In einem komplexen Zusammenspiel steuern sie die Genexpression. Kommt es beim Menschen dabei zu Fehlern oder einer Deregulierung, kann Krebs entstehen. 

"Technische Entwicklungen befeuern die Entdeckung nicht-kodierender RNAs und RNA-bindender Proteine, also der Elemente, die wichtige Prozesse in unseren Zellen regulieren", sagt Prof. Dr. Stefan Hüttelmaier, Sprecher der Forschungsgruppe und Leiter des Instituts für Molekulare Medizin an der Medizinischen Fakultät der MLU. Aktuell setzen Krebstherapien meistens bei proteinkodierenden Genen an. Auf Zellebene sind jedoch auch zahlreiche Prozesse des nicht-kodierenden RNA-Kosmos an der Entstehung von Krebs beteiligt. "Diese zu erforschen und funktional zu charakterisieren bietet ein großes Potenzial für die Etablierung neuer Behandlungskonzepte bei Krebserkrankungen", so Hüttelmaier. 

Die Forschungsgruppe soll mit der Förderung auch ein neues Messgerät erhalten, um das Forschungsvorhaben zu unterstützen. "Der 'Monolith X' eröffnet neue Methoden für die Analyse der Interaktion von Proteinen und deren Bindungspartnern sowie insbesondere für die präklinische Entwicklung und Verbesserung potenzieller Therapeutika", erklärt Hüttelmaier. Das Gerät wird in der Core Facility Imaging unter Leitung von Dr. Nadine Bley am Institut für Molekulare Medizin den Betrieb aufnehmen und allen Forschenden an der Martin-Luther-Universität zugänglich sein. 'RNA im Fokus' ergänzt damit auch Forschung des DFG-geförderten Graduiertenkollegs 2467 "Intrinsisch ungeordnete Proteine - Molekulare Prinzipien, zelluläre Funktionen und Krankheiten" an der Naturwissenschaftlichen Fakultät I und stärkt den Forschungsschwerpunkt der Medizinischen Fakultät in der präklinischen Tumorbiologie und Onkologie, der im DFG-geförderten Graduiertenkolleg 2751 "Entzündliche Einflüsse als Modulatoren der frühen Pankreaskarzinogenese (InCuPanC)" bearbeitet wird. 

"Die DFG hat mit ihrem Gutachten bestätigt, dass der Forschungsstandort Halle gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen aus Frankfurt und Leipzig die Kompetenz für hochrangige präklinische Forschung im Feld der biomedizinischen RNA- und Tumorbiologie besitzt. Die Untersuchungen des Zusammenspiels von RNA und der Entstehung von Krebs versprechen eine neue Basis in der Therapie", sagt Prof. Dr. Heike Kielstein, Dekanin der Medizinischen Fakultät der MLU. 

Die DFG fördert die Forschungsgruppe zunächst über vier Jahre. Mit circa sechs Millionen Euro fließt der Großteil der Fördersumme in sechs Forschungsprojekte und das Koordinierungsprojekt der Medizinischen Fakultät der MLU, wovon zwei Forschungsprojekte gemeinsam mit dem Institut für Pharmazie und dem Institut für Physik durchgeführt werden. Die Goethe-Universität Frankfurt und die Universität Leipzig sind mit drei Forschungsprojekten in der Gruppe vertreten.

 

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