"Science"-Studie zeigt Defizite bei Wald- und Klimaschutzprogramm REDD+
Nur eines von fĂŒnf Projekten erzielt behauptete Wirkung.
Die Forschenden nutzten sogenannte âsynthetische Kontrollmethodenâ, um die tatsĂ€chliche Entwicklung in Projektgebieten mit hypothetischen Szenarien ohne SchutzmaĂnahmen zu vergleichen. Diese GegenĂŒberstellung basiert auf Ă€hnlichen Regionen in 14 tropischen LĂ€ndern Lateinamerikas, Afrikas und SĂŒdostasiens, die vergleichbare Umwelt- und Sozialbedingungen aufweisen, jedoch keine REDD+-Projekte implementiert haben.
So konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler abschĂ€tzen, ob REDD+-MaĂnahmen tatsĂ€chlich zur Verringerung der Entwaldung beigetragen haben â und ob die ausgestellten CO2-Gutschriften auf realen Klimanutzen beruhen.
âUnsere Analyse zeigt, dass das Problem echt ist â aber nicht unlösbarâ, sagt Mitautor Prof. Dr. Jonathan Chase, Leiter der Forschungsgruppe BiodiversitĂ€tssynthese bei iDiv und der MLU. âDurch transparente Vergleichsgrundlagen lĂ€sst sich erkennen, welche Projekte wirklich etwas bewirken.â
Teilweise Erfolge, aber auch massive Ăberbewertungen
Etwa ein Drittel der Projektkomponenten (32âŻProzent) zeigte deutlich geringere Entwaldung als erwartet â insbesondere einige Projekte in Brasilien schnitten positiv ab. Gleichzeitig verzeichneten fast 20âŻProzent der Einheiten (11 von 66) sogar mehr Waldverlust als ihre VergleichsflĂ€chen. In rund 35âŻProzent der Initiativen lagen die angegebenen Ausgangswerte fĂŒr Entwaldung deutlich ĂŒber den tatsĂ€chlichen Daten. Besonders auffĂ€llig: In Kolumbien wurde das Risiko der Entwaldung teils um das Zehnfache ĂŒberschĂ€tzt â ein klares Indiz fĂŒr ĂŒbermĂ€Ăige CO2-Gutschriften.
Das Team untersuchte 48 Projekte mit öffentlich zugĂ€nglichen Daten zu ausgestellten Gutschriften. Bis Ende 2022 wurden rund 228 Millionen CO2-Gutschriften vergeben, von denen 127 Millionen bereits zur Kompensation von Emissionen genutzt wurden. Doch nur etwa 35 Millionen dieser Gutschriften basieren laut Studie auf tatsĂ€chlich vermiedener Entwaldung â das entspricht lediglich rund 13,2âŻProzent der handelbaren Gutschriften.
âDer Markt braucht Gutschriften, die halten, was sie versprechenâ, betont Chase. âWir schĂ€tzen, dass derzeit nur etwa jede achte Gutschrift echten Klimanutzen bringt. Mit besseren Ausgangsdaten, unabhĂ€ngiger Bewertung und vielfĂ€ltigen Projektportfolios lĂ€sst sich das Vertrauen wiederherstellen.â
REDD+ neu denken â statt abschaffen
Trotz der Kritik sieht das Forschungsteam in REDD+ weiterhin ein vielversprechendes Instrument im Kampf gegen den Klimawandel. Immerhin zeigten auch unterdurchschnittliche Projekte teilweise positive Effekte. Entscheidend sei, dass die REDD+-MaĂnahmen sorgfĂ€ltig umgesetzt und wissenschaftlich fundiert bewertet werden. Ziel sei es nicht, REDD+ aufzugeben, sondern es so zu verbessern, dass jede ausgestellte CO2-Gutschrift einen echten Klimabeitrag leistet.
Studie: Tang Y. et al. Tropical forest carbon offsets deliver partial gains amid persistent over-crediting, Science (2025). doi: 10.1126/science.adw4094
