Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Mitteldeutschland: ULB Sachsen-Anhalt digitalisiert knapp eine Million historische Zeitungsseiten

Nummer 048/2026 vom 27. Mai 2026

Von der „Arterner Zeitung“ bis zum „Ziegenrücker Kreisanzeiger“: Knapp eine Million Seiten historischer Zeitungen digitalisiert ein Team der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt (ULB) in einem neuen Projekt. Gefördert wird es von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit rund 600.000 Euro. 17 ausgewählte Zeitungen aus der preußischen Provinz Sachsen werden dafür gescannt, bearbeitet und anschließend frei zugänglich im Internet veröffentlicht. Viele der Zeitungen sind nur noch an der ULB zu finden und teilweise in einem schlechten Zustand.

„Zeitungen sind ein Kulturschaufenster in die jeweilige Zeit. Sie liefern Informationen zur regionalen Politik, Wirtschaft und Kultur. Für die landesgeschichtliche Forschung sind diese Quellen von großem Interesse“, sagt ULB-Direktorin Anke Berghaus-Sprengel. Die Universitäts- und Landesbibliothek war die erste größere wissenschaftliche Bibliothek in Deutschland, die nicht nur überregionale, sondern auch regionale Tageszeitungen sammelte. Heute verfügt sie mit mehr als 1.300 Zeitungstiteln vor 1945 über einen der deutschlandweit größten Bestände an historischen Zeitungen. Darin enthalten sind auch 800 regionale Titel aus Mitteldeutschland.

Viele dieser Zeitungen liegen nur noch in Halle in vollständigen Ausgaben vor. Allerdings ist der Bestand dieser Quellen bedroht: Früher wurde säurehaltiges Papier für die Zeitungen verwendet, das heute stark von Zerfall betroffen ist. „Bei vielen Exemplaren ist die Zerstörung so weit fortgeschritten, dass eine Entsäuerung nicht mehr möglich ist. Eine rasche Digitalisierung ist daher von großer Bedeutung und oft der einzige Weg, um diese historischen Quellen zumindest digital zu bewahren“, so Berghaus-Sprengel weiter.

Für das neue DFG-Projekt fiel die Wahl auf Zeitungen, die auf dem Gebiet der preußischen Provinz Sachsen erschienen sind. Diese wurde 1815 gegründet und umfasste Regionen, die heute in Sachsen-Anhalt, Sachsen oder Thüringen liegen. „Die Relevanz der Zeitungen reicht also weit über die Grenzen Sachsen-Anhalts hinaus“, sagt ULB-Direktorin Berghaus-Sprengel. Die ausgewählten Zeitungen erschienen vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1920er Jahre und umfassen kleinere Lokalzeitungen sowie größere Titel samt ihren Beilagen. Nach der Digitalisierung werden die Seiten so aufbereitet, dass sie maschinenlesbar sind. Anschließend werden sie frei zugänglich im Internet veröffentlicht.

Für die ULB ist es bereits die dritte Förderung für die Digitalisierung von Zeitungen im Rahmen des Programms „Wissenschaftliche Literaturversorgungs- und Informationssysteme“ der DFG. Insgesamt hat die ULB bislang mehr als 2,1 Millionen Euro Fördermittel für die Digitalisierung ihrer historischen Zeitschriften erhalten. In den Vorgängerprojekten hatte die Bibliothek zum Beispiel umfangreiche Bestände historischer Zeitungen aus Halle und dem Großraum Halle-Merseburg digitalisiert. Mit dem neuen Projekt kommen zu den knapp 260.000 bereits digitalisierten Ausgaben weitere 126.000 Ausgaben mit insgesamt 952.000 Seiten hinzu.

 

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