Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

100 Jahre Geiseltal-Forschung: MLU zeigt Originalfunde und Urzeit-Bilder

Nummer 098/2026 vom 30. Oktober 2026

Vor 100 Jahren begannen im Braunkohlerevier Geiseltal Grabungen, die Tausende gut erhaltene Tierfossilien aus der Zeit vor rund 45 Millionen Jahren zutage förderten. AnlĂ€sslich dieses JubilĂ€ums zeigt das Geiseltalmuseum der Martin-Luther-UniversitĂ€t Halle-Wittenberg (MLU) vom 6. bis 8. November eine Auswahl der Originalfunde der ersten Grabung und zahlreiche palĂ€ontologische Zeichnungen. PrĂ€sentiert wird auch eine Graphic Novel ĂŒber das urzeitliche Leben im Geiseltal, die zum JubilĂ€um erscheint.

Im FrĂŒhjahr 1926 erhielt der gebĂŒrtige Brite Ben Barnes vom Geologen Prof. Dr. Johannes Walther von der UniversitĂ€t Halle den Auftrag, die erste systematische Grabung nach Wirbeltieren im Braunkohlerevier Geiseltal durchzufĂŒhren. „WĂ€hrend der ersten vergleichsweise kurzen Feldkampagne kam eine kleine, aber beeindruckende Fauna fossiler Wirbeltiere zum Vorschein“, sagt Dr. Frank Steinheimer, Leiter des Zentralmagazins Naturwissenschaftlicher Sammlungen der MLU, zu dem die Geiseltalsammlung gehört. Zu den ersten Funden gehören Fossilien von Schlangen, Schildkröten sowie ZĂ€hne und Knochen verschiedener Huftiere. Mit seiner Arbeit ĂŒber diese Funde wurde Barnes an der UniversitĂ€t Halle promoviert.

„Die erste Grabung und die darauffolgende Doktorarbeit markieren den Beginn der Forschung zur FossillagerstĂ€tte Geiseltal“, so Steinheimer weiter. Die Grabungen liefen bis in die frĂŒhen 2000er Jahre, heute ist das Gebiet renaturiert. Zu den bekanntesten und bedeutendsten Funden zĂ€hlen hundsgroße Urpferdchen, an Land lebende Krokodile und flugunfĂ€hige Riesenvögel. Mehrere Hundert wissenschaftliche Studien sind zu den rund 50.000 Fossilien des Geiseltals erschienen. Die Sammlung ist seit 2012 als Teil des „Verzeichnis national wertvolles Kulturgut“ geschĂŒtzt. „Auch heute wird die Fossilienforschung mit den vorhandenen Funden fortgesetzt, obwohl kein neues Material mehr gewonnen werden kann. JĂ€hrlich kommen Forschende aus aller Welt in die Geiseltalsammlung, um neue vergleichende Studien durchzufĂŒhren“, so Steinheimer.

Um das Wissen ĂŒber das urzeitliche Leben im Geiseltal einem breiten Publikum zu vermitteln, wurden laut Steinheimer schon frĂŒh Rekonstruktionszeichnungen von Pflanzen, Tieren und Landschaften des eozĂ€nen Geiseltals erstellt und im Geiseltalmuseum ausgestellt. Ein Teil dieser ĂŒber die Jahrzehnte entstandenen PalĂ€okunst ist nun anlĂ€sslich des JubilĂ€ums zu sehen.

Auch neuere Werke werden im Geiseltalmuseum gezeigt: PrĂ€sentiert wird die neue Graphic Novel des PalĂ€okĂŒnstlers Joschua KnĂŒppe zum Geiseltal, die von der Volkswagen-Stiftung gefördert wurde. Vorgestellt werden auch Arbeiten von Sandra HĂ€hle, die die Welt des Geiseltals im Comic-Stil rekonstruierte, und zwei detaillierte Zeichnungen von Karol Schauer, der fĂŒr seine Abbildungen fĂŒr das Landesmuseum fĂŒr Vorgeschichte in Halle (Saale) bekannt ist. Zudem stellen KĂŒnstlerinnen und KĂŒnstler ihre Arbeiten aus, die in den vergangenen Jahren im Umfeld der Naturwissenschaftlichen Sammlungen der MLU entstanden.

 

Sonderöffnungszeiten Geiseltalmuseum
Freitag, 6. November, und Samstag, 7. November, jeweils 10 bis 18 Uhr
Sonntag, 8. November, 10 bis 16 Uhr
Geiseltalmuseum, Neue Residenz
Domstraße 5
06108 Halle (Saale)

Der Eintritt ist frei. Der Zugang ist nicht barrierefrei und erfolgt ĂŒber eine Treppe.

 

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