Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Hermann Gunkel (1862–1932)
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Akademische Ehrung von Prof. Dr. Hermann Gunkel

Gedenktafel an seinem letzten Wohnhaus in Halle

Nummer 123/2008 vom 16. Mai 2008
Am 23. Mai 2008 findet eine akademischen Ehrung Hermann Gunkels durch die Theologische Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) statt. Hermann Gunkel gehört zusammen mit Wilhelm Gesenius zu den beiden bedeutenden Alttestamentlern der halleschen Universität. Er ist Mitbegründer der religionsgeschichtlichen Schule, eine theologische Richtung, die für das Verständnis der Bibel die altorientalischen Texte fruchtbar gemacht hat. Medienvertreter sind zu der Festveranstaltung herzlich eingeladen.

Gunkels Werke erleben zurzeit in der englischsprachigen Wissenschaft eine Renaissance. Aber auch in der Stadt Halle soll die Erinnerung an ihn wieder wachgerufen werden. „Dank der Spende des Freundeskreises unserer Fakultät konnten wir seinen Grabstein auf dem Giebichensteiner Friedhof renovieren“, so Prof. Dr. Ernst-Joachim Waschke, Alttestamentler an der MLU. „Die finanzielle Unterstützung durch Rechtsanwalt Wolfdieter von Hesler und die Vereinigung der Freunde und Förderer der Universität ermöglicht es außerdem, eine Gedenktafel an seinem letzten Wohnhaus in der Richard-Wagner-Straße 28 anzubringen." Diese hat der Künstler Michael Karlovski gestaltet.
Den Festvortrag wird der ehemalige Präsident der Göttinger Akademie der Wissenschaften, Prof. Dr. Rudolf Smend, halten. Thema: „Hermann Gunkel (1862-1932) - ein Pionier der Bibelwissenschaft“.

Im Anschluss an den Festvortrag finden ein Besuch des Grabes von Hermann Gunkel auf dem Giebichensteiner Friedhof und die Enthüllung der Gedenktafel in der Richard-Wagner-Straße 28 statt.

Abbildung: Entwurf für die Gedenktafel in Bronze (Michael Karlovski)

Spender:

Freundeskreis der Theologischen Fakultät,
Vereinigung der Freunde und Förderer der MLU,
Rechtsanwalt Wolfdieter von Hesler (Hausbesitzer Richard-Wagner-Straße 28) und der Künstler Michael Karlovski



Zur Bedeutung Hermann Gunkels (1862-1932) für die alttestamentliche Wissenschaft und für die hallesche Universität

Hermann Gunkel gehört zu den großen Gelehrten, die für das 20. Jahrhundert das wissenschaftliche Fundament zur Auslegung biblischer Texte und ihrem religionsgeschichtlichen Verständnis gelegt haben. Am 23. Mai 1862 in Springe bei Hannover als Pfarrerssohn geboren, studierte er in Göttingen und Gießen neben Theologie auch Germanistik, Geschichte und Philosophie. In Göttingen wurde er am 15. Oktober 1888 mit einer Arbeit zum Neuen Testament zum Licentiaten promoviert und habilitierte sich ein Tag später für das Fach „Biblische Theologie und Exegese“. Hier gehörte er zur „kleinen Göttinger Fakultät“, einem Kreis junger Gelehrter, aus der die für die Bibelwissenschaften wichtige „Religionsgeschichtliche Schule“ hervorgegangen ist. Unter der Grundvoraussetzung, dass die für die Erforschung der Geschichte und Literaturgeschichte allgemeinen wissenschaftlichen Methoden auch in der Auslegung biblischer Texte zur Geltung zu bringen sind, etablierte sich ein völlig neues Verständnis der biblischen Texte zu den Texten, Traditionen und Riten der altorientalischen Umwelt.
Von 1889 bis 1895 lehrte er erstmals als Privatdozent und außerordentlicher Professor (1894) in Halle. Die Theologische Fakultät hatte ihm, wohl auf Grund seines religionsgeschichtlichen Ansatzes, offensichtlich nur gestattet, Altes Testament zu lesen. So wurde er, der in Göttingen als Neutestamentler begann, zu dem führenden Alttestamentler innerhalb der „Religionsgeschichtlichen Schule“ und verfasste auf diesem Gebiet seine bis in die Gegenwart rezipierten und beachteten Werke. Das gilt für seinen in der Berliner Zeit (1895-1907) geschriebenen und in der Anlage sowie der Darstellung bis heute unübertroffenen Kommentar zur Genesis, einem „Klassiker“ im „Göttinger Handkommentar zum Alten Testament“. Auch seine in Gießen (1907-1920) begonnenen und in Halle fortgesetzten Forschungen zu den Psalmen und ihren Gattungen gehören noch immer zu den Grundlagen der Psalmenauslegung.
1920 kam er wieder nach Halle zurück; allerdings nicht auf eigenen Wunsch und auch nicht auf Wunsch der Theologischen Fakultät, obwohl beide dann schnell miteinander Frieden geschlossen haben. Der Lehrstuhl war ihm seitens des preußischen Kultusministeriums angeboten worden. Er selbst hatte auf einen Ruf nach Berlin gehofft. Aber das Kultusministerium wollte in Halle einen Vertreter der Religionsgeschichtlichen Schule. Gesundheitlich in diesen Jahren schon angeschlagen, ließ er sich 1927 vorzeitig emeritieren. Am 11. März 1932 ist er dann in Halle verstorben. Mit den form- und gattungsgeschichtlichen Methoden wie mit der religionsgeschichtlichen Fragestellung hat Hermann Gunkel wie kaum ein anderer Gelehrter seiner Zeit die alttestamentliche Wissenschaft im 20. Jahrhundert nicht nur in Deutschland sondern weit darüber hinaus geprägt.

Hermann Gunkel (1862–1932)
Hermann Gunkel (1862–1932)
Entwurf für die Gedenktafel in Bronze (Michael Karlovski)
Entwurf für die Gedenktafel in Bronze (Michael Karlovski)
 

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