Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Händels Grabmal in der Londoner Westminster Abtei von Louis-François Roubillac.
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„Händel – ein Komponist der Moderne?“ – Disputation am Reformationstag 2009 in Wittenberg

Nummer 270/2009 vom 21. Oktober 2009
Die wissenschaftliche Disputation am Reformationstag gehört zur guten Tradition im akademischen Leben der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU). Am 31. Oktober geht es diesmal in Wittenberg um das Thema „Händel – ein Komponist der Moderne? Dialoge zwischen Musikwissenschaft und Musikpraxis“. Moderiert wird die Disputation von Prof. Dr. Wolfgang Hirschmann, Musikwissenschaftler am Institut für Musik der MLU. Umrahmt wird sie durch eine Jazzimprovisation einer Händel-Arie zu Beginn sowie eine Komposition als Händel-Hommage am Schluss. Vor der Disputation ziehen die Mitglieder des Akademischen Senats der MLU in ihren historischen Talaren vom Rathaus zur Stiftung LEUCOREA.

Vor 250 Jahren starb Georg Friedrich Händel in London als europäische Berühmtheit. Der Entwurf eines Epitaphs feierte ihn kurz nach seinem Tod als „den größten Musiker aller Zeiten". Händels Grabmal in der Londoner Westminster Abbey (Abbildung) zeigt den Komponisten in genialischer Schöpferpose, selbstbewusst, stolz auf seine Schöpfungen, die durch das Notenblatt einer Arie aus dem „Messias" repräsentiert werden - ein moderner, autonomer Komponist. An der Statue aber fehlt ein Teil, der Zeigefinger der linken Hand ist abgebrochen, und dieser Zeigefinger deutete nach oben zu Gott: Wird hier also eher der demütige, von höherer Instanz erleuchtete Gottes- und Fürstendiener der Barockzeit gezeigt?

„Zwischen diesen beiden Deutungen steht ein gesellschaftlicher Umschwung, den wir als Moderne bezeichnen; diese Moderne ist geprägt durch Aufklärung und Historismus, Säkularisierung und Industrialisierung. Von jedem dieser Begriffe geht bedeutende Strahl- und damit Interpretationskraft für die Musikgeschichte seit dem späteren 18. Jahrhundert aus", führt Professor Dr. Wolfgang Hirschmann in die Thematik der diesjährigen Disputation ein und fügt hinzu: „Kann Händel vorbehaltlos als Komponist der Moderne betrachtet werden oder weist sein Schaffen zurück in die Epoche der Vormoderne? Und was bedeutet dieser Zwiespalt für die Wirkungsgeschichte seiner Musik und ihre Stellung im heutigen Musikleben?"

Die Disputation möchte die Frage nach der Geltung und Stellung der Musik Händels in der Kultur der Moderne sowohl von der Seite der Musikgeschichte wie auch der Musikpraxis erörtern, denn „in der Historischen Aufführungspraxis und in den modernen Inszenierungsformen von Händels Opern und Oratorien wie auch der Interpretationsgeschichte der Musik Händels auf Schallplatte und CD sind auf ebenso spannende wie irritierende Weise Modernität und Historisierung ineinander verflochten," sagt der Präsident der Georg-Friedrich-Händel-Gesellschaft in Halle, Prof. Wolfgang Hirschmann.

Disputieren werden international renommierte Händel-Kenner und Händel-Interpreten: die Musikwissenschaftlerin Prof. Dr. Silke Leopold (Heidelberg), weltweit anerkannte Spezialistin für die Operngeschichte des 17. und 18. Jahrhunderts, Dr. Martin Elste (Berlin), Leiter des Musikinstrumentenmuseums Berlin und Kenner der Interpretationsgeschichte Alter Musik auf neuen Medien, Axel Köhler (Halle), international gefeierter Altus und Opernregisseur, seit kurzem Intendant der Oper Halle, Wolfgang Katschner (Berlin), Lautenist, Musikforscher und Spezialist für Historische Aufführungspraxis, sowie Prof. Dr. Jens Marggraf (Halle), Musiktheoretiker an der MLU und Komponist.

Die Disputation beginnt um 15 Uhr in der Stiftung LEUCOREA, Collegienstr. 62, 06886 Lutherstadt Wittenberg. Nachdem der Rektor der Universität, Prof. Dr. Wulf Diepenbrock, und der Oberbürgermeister von Wittenberg, Eckhard Naumann, die Disputanten und die Zuhörerschaft begrüßt haben, übernimmt Prof. Wolfgang Hirschmann die Moderation. Für die musikalische Umrahmung sorgen der Jazzpianist Volker Braun mit einer Improvisation über die Händel-Arie „Verdi prati" und der Komponist Wolfgang Heisig, der auf der Phonola, einem mechanischen Klavier, ein Komposition von Jens Marggraf als Händel-Hommage vortragen wird.

Bereits um 14:30 Uhr ziehen die Mitglieder des Akademischen Senats der MLU in Talaren vom Rathaus zur Stiftung LEUCOREA. Begleitet werden sie von Musikanten aus Kronach, die in historischen Gewändern auftreten.

 

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